Geld macht faul
Ist der professionelle Tanz eher mit einem Ehrenamt zu vergleichen, ist er tatsächlich professionell? Oder warum wird er so schlecht bezahlt?
Neulich konnte man in der Süddeutschen Zeitung einen bemerkenswerten Beitrag mit der Überschrift «Geld macht faul» lesen. Darin stand, dass Kinder, denen man für das erfolgreiche Lösen eines Puzzlespiels eine Belohnung gibt, das Interesse am Puzzlen sehr viel schneller verlieren, als Kinder, die dafür keine Belohnung erhalten.
Das Kinderglück, ein Puzzle erfolgreich vollendet zu haben, verschwindet sofort, sobald eine Belohnung ins Spiel kommt, die mit dem Spiel nichts zu tun hat. Psychologen kennen das Phänomen: Eine Belohnung, Geld zum Beispiel, führt zu einer Umdeutung des Puzzlespiels. Das ist beim Tanzen genauso: Tanzen macht glücklich, wenn man kein Geld dafür bekommt.
Wird man aber professionell dafür bezahlt, erfährt ein Nettostundenlohn von 3,12 Euro für Tänzer eine ganz neue Deutung. Sofort sinkt die gesellschaftliche Achtung des Tänzerberufs auf den Nullpunkt. Das mit so wenig Geld gezeigte politische Desinteresse am Tanz lockt ihn radikal unter die Armutsgrenze. Umgekehrt gilt übrigens genau das Gleiche: Würde man ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man braucht kein kindliches Gemüt, um sich von diesen Spielereien bezaubern zu lassen: Vier Schaumkronen stehen – schneebedeckten Bergspitzen gleich – im kleinen Viereck der Bühne, um die herum wir Platz genommen haben. Eben haben sie noch, als Angriff auf unsere Sehnerven, in dieser irritierenden, nicht einzuordnenden Farbe zwischen rosa, grau und beige geflackert...
Emanuel Gat erzählt davon, dass ihm bei seinem Stück «Hark!», das er im Frühjahr für das Pariser Opernballett kreiert hat, Laurent Hilaire assistierte: «Der hat bei der Uraufführung von Bill Forsythes ‹In the Middle, Somewhat Elevated› getanzt.» Es schwingt Ehrfurcht in seiner Stimme mit, wenn er das sagt. Sein Erfolg bei den Parisern muss in der Ballettwelt als...
Charleroi in Belgien ist sicher nicht der schönste Ort auf Erden. Ausgerechnet im düsteren November will es ein Magnet sein, wenn die Biennale Charleroi/Danses regiert. Zu Beginn soll es zudem heftig schneien, geht es nach dem Eröffnungsstück, «Neige», von Michèle Anne de Mey. Zur traumhaften 7. Sinfonie von Beethoven sollen wir uns da so richtig wegträumen, aber...
