Amsterdam
Das Saisoneröffnungs-Programm des Ballet Vlaanderen kombiniert unter dem Titel «West» zwei Meisterstücke postmoderner Amerikaner: Merce Cunninghams «Pond Way» und William Forsythes «Approximate Sonata 2016» – ergänzt durch das Mittelstück «Shahrazad», die jüngste Arbeit des tunesisch-amerikanischen Choreografen Jonah Bokaer. Seinen großen Vorgängern kann Bokaer in punkto Erfindungsreichtum nicht das Wasser reichen, worüber auch die betörenden Kostüme des tunesischen Modedesigners Azzedine Alaïa nicht hinwegtäuschen können.
Indessen beweist die von Reformprozessen gebeutelte, nunmehr von Sidi Larbi Cherkaoui geführte Kompanie mit Cunninghams und Forsythes Klassikern, dass der unter Cherkaouis Vorvorgängerin Kathryn Bennetts erarbeitete hohe Standard nicht gelitten hat.
«Shahrazad» – auf Nikolaj Rimski-Korsakows vom Symphonieorchester der Opera Vlaanderen live gespielte Orchestersuite «Sheherazade» choreografiert – ist erkennbar von Mikhail Fokines und Leon Baksts gleichnamiger Kreation für die Ballets russes inspiriert, nähert sich dem orientalischen Stoff aber auf eigene Art: Bokaer will Rimski-Korsakows Orientalismus vermeiden und ein anderes Bild von der ...
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Tanz Dezember 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 50
von Pieter T'Jonck
Mit dem «Gouden Zwaan», dem Oscar des niederländischen Tanzes, ist Hans van Manens langjährige Muse ausgezeichnet worden: Igone de Jongh bekam die nicht alljährlich verliehene Auszeichnung für ihren herausragenden Beitrag zum niederländischen Tanz. Ausgebildet in Amsterdam und London, stieß die außergewöhnlich musikalische Ballerina zu Het Nationale Ballet und hat...
Der Regisseur Dominique Delouche brachte es auf den Punkt: Yvette Chauviré hat «den Tanz zu vollkommener Reinheit geführt, war darin Künstlern wie dem Maler Matisse, wie dem Dichter Racine vergleichbar.» Mit 99 Jahren ist die Tänzerin am 19. Oktober in Paris verstorben. In der Stadt, die ihr seit der Geburt am 22. April 1917 Heimat war.
Mit zehn Jahren wurde Yvette...
So möchte man Tanz jetzt immer untermalt haben: mit individuellem Kopfhörer auf den Ohren, der die eigene Geräuschhaftigkeit, vor allem aber die der lästigen Mit-Theaterbesucher ausblendet – titelgemäß: «Nur Ich!» Ein überwältigendes Sounderlebnis von Jörg Ritzenhoff, seit Jahren Hauskomponist der Bonner Kompanie CocoonDance. Über Kopfhörer dringt zunächst...
