claire cunningham

Eine Frau und zwei Krücken? Das ergibt hinreißenden Tanz. Weil die schottische Künstlerin mit ihrer Körperlichkeit faszinierend umgeht – und Großbritannien die Schönheit der Differenz früher begriffen und besser gefördert hat als Kontinentaleuropa

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«Wahrnehmung ist etwas, was wir tun», erklärt der Philosoph Alva Noë. Denn «Wahrnehmung hängt von unseren Fähigkeiten ab, zu agieren und zu denken». So steht es auch in seinem Buch «Action in Perception», und entsprechende Gedanken hat er als philosophischer Berater in «The Way You Look (at Me) Tonight» eingebracht, das im September uraufgeführte, als «soziale Skulptur» bezeichnete Stück von Jess Curtis und Claire Cunningham. Was die beiden da neunzig Minuten lang tun, kann der Betrachter nicht auf Anhieb entschlüsseln.

Unbekannten Regeln folgend, gehen sie durch das Publikum und fragen sich selbst und gegenseitig, en passant und lässig, wer sie sind, was sie machen, und wie die Rezeption – die eigene und diejenige des Gegenübers – definiert und beeinflusst werden kann. Jeder soll auf seine Weise Zugang haben und wahrnehmen können. Auch das Publikum wird animiert zu beobachten, was die Performer entwickeln, was auf den von Yoann Trellu bestückten Videoscreens zu sehen ist, was der Komponist Matthias Herrmann arrangiert hat. Jeder Einzelne muss selbst entscheiden, welches Medium den eigenen Wahrnehmungsmöglichkeiten am bes-ten entspricht. Sind die Bewegungen der Darsteller ...

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Tanz November 2016
Rubrik: Menschen, Seite 24
von Gustavo Fijalkow

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