Wider das Vergessen
Wie kommt eine französische Tanzwissenschaftlerin dazu, sich ausgerechnet mit einem typisch deutschen Thema zu befassen? Durch Zufall. Über Umwege. Ich komme aus Lille, habe dort Geschichte und Literatur studiert und wollte in Paris am Sciences Po eigentlich meinen Master machen. Natürlich setzte ich auch meine Tanzausbildung fort, und das bei Karin Waehner, einer Wigman-Schülerin der Nachkriegszeit, die in der französischen Hauptstadt an der Schola Cantorum unterrichtete.
Als uns die Professoren am Institut für politische Studien empfahlen, über unerforschte Archive zu arbeiten, unterhielt ich mich darüber mit Karin, mit der mich inzwischen eine Freundschaft verband. Sie riet mir, mich mit dem Nachlass von Mary Wigman zu beschäftigen, der damals gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Und das fand ich ganz folgerichtig, nachdem ich den Ausdruckstanz sozusagen am eigenen Körper erfahren hatte. Mit Feuereifer stürzte ich mich in die Arbeit.
Offenbar mit Erfolg. Ihre Doktorarbeit entstand in diesem Zusammenhang. Ja. Der Wigman-Nachlass in der Berliner Akademie der Künste war auf einer künstlerischen und pädagogischen Ebene absolut interessant. Aber in ihm fanden sich kaum ...
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Tanz März 2017
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Hartmut Regitz
Die erste Projektion: Fenster blicken auf das weite Meer. Drei Personen kehren dem Publikum den Rücken zu, dann dreht sich eine, schließlich eine zweite um. Die Dritte wird im gerahmten Erinnerungsbild zurückgelassen. Dieses Gefühl des Verlusts und einer starken emotionalen Bindung grundiert die Choreografie «Silent Screen» (2005), die Sol León und Paul Lightfoot...
Eins muss man ihr lassen. 23 Jahre blieb sich die in Genf lebende Spanierin selber treu. Sie macht, was sie immer tat, auch wenn eine in den 1990er-Jahren geborene Zuschauerin genervt ausruft: «Das ist ja so was von Neunziger!». La Ribot mit feuerroten Locken und der Konzentration einer Zirkusdompteurin ist bekannt für ihre «distinguierten Stücke», kleine Aktionen,...
Ausstellung
Depot Erbe
Wer bestimmt, was bleibt? Welche Choreografien werden in die Zukunft
weitergereicht, welche nicht? Wer sortiert, was künftig zu sehen sein wird und was nicht? Was leicht ersetzbar wäre, kann auf jeden Fall schon mal weg. Oder nicht? Auf dem Bühnenboden zur Choreografie «9000 Steps» von Joanne Leighton (Foto) wurden 2016 zwei Tonnen Salz...
