le chant de la terre
Gustav Mahlers «Lied von der Erde» ist ein herzzerreißendes Opus, vor allem das Ende – «Der Abschied» − besitzt ungewöhnliche dramatische Kraft. Der Komponist hatte gerade seine Tochter verloren und kämpfte mit einem Gefühl der Leere, als er mit der Tonsetzung begann. So schrieb sich der Tod in die Notenzeilen ein, die wiederum erst sechs Monate nach Mahlers Ableben von Bruno Walter uraufgeführt wurden.
Für John Neumeier ist «Das Lied von der Erde» nach «Magnificat» (1987) und «Sylvia» (1997) die dritte Kreation, die er mit dem Pariser Opernballett unternimmt – und wohl seine letzte, was Mahler betrifft und die französische Kapitale. Insofern gehorcht die musikalische Wahl nicht nur seiner eigenen Vorliebe für diesen Komponisten. Vielmehr scheint eben auch der schwermütige «Abschied» passend, mit dem das Meisterwerk endet.
Das dunkle Werk ist von fernöstlichen Gedichten aus dem achten Jahrhundert inspiriert, die Hans Bethge in der Sammlung «Die chinesische Flöte» zusammengefasst und Mahler teilweise selbst nachbearbeitet hat. Sieben davon vertonte er in sechs Gesängen, die gleichermaßen Lebens- und Todes-Impulse ins Spiel bringen, am stärksten indes von Leid und Trauer gezeichnet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2015
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Agnès Izrine
Diese Frau war ihrer Zeit weit voraus. Sie hat den Weg für die gegenwärtig blühende Tanzlandschaft Irlands geebnet – und wurde doch vergessen. Wer war Erina Brady?
Während Irland, vom Bürgerkrieg der Jahre 1919 bis 1921 gezeichnet, um nationale Eigenständigkeit ringt, beginnt auf dem Kontinent die Tanzmoderne. Erina Brady, 1891 in Bad Homburg vor der Höhe als...
«Ein. Aus. Kraft tanken. Loslassen.» Am Anfang jeder Entspannungslehre war: der Atem. Auch beim tanztherapeutischen Projekt «Dance in – Dance out» übt man sich in der Philosophie des Atmens. Tänzerin Monica Fotescu-Uta spricht mit sanfter Stimme, ist ganz vorbildlich die Ruhe selbst. Man kennt sie sonst anders. Als meist ziemlich gefühlsgebeutelte Heroine auf der...
Sie hätten sich begegnen können. Charlotte Salomon wurde am 10. Oktober 1943 ins KZ Auschwitz eingeliefert. Zur gleichen Zeit wird Roosje Glaser zum Dienst an den Gasöfen eingeteilt. Schon zuvor als Jüdin mit der Nr. 62472 gebrandmarkt, soll sie Häftlinge beruhigen, wenn es zum «Duschen» geht: eine Tätigkeit, die sie nur deshalb verkraften kann, weil sie sich von...
