Krems: Ligia Lewis «Water will (in melody)»

Tanz - Logo

Eins versagt hier sofort: der Orientierungssinn. Es ist, als blicke das Publikum in eine Dunkelkammer, in der ein seltsamer Film entwickelt wird – aber jemand macht versehentlich das Licht an. Frauen bewegen sich da wie groteske Avatare durch Zeiten und Zusammenhänge. Wunderbar der Anfang, wenn Ligia Lewis mit dem Grimm’schen Züchtigungsmärchen «Das eigensinnige Kind» einsetzt und Vamp-Performerin Dani Brown mit Gruselton und Hampelmanngalopp so ganz in ihrem Element ist. In «Water Will (in Melody)» gerät Ungeheuerliches, Unheimliches, Unbewusstes in Schwingung.

 

Vier Frauen tauchen aus der glänzenden Unterwelt wie Wasserwesen auf: Ligia Lewis und Susanne Sachsse tragen schwarzes Latex, Dani Brown tritt in weißen Hot-Pants und reflektierender Plastik-Latzhose auf, Titilayo Adebayo im Leinennachthemd, samt weißen Handschuhen und schwarzem Hut. Die Handschuhe spielen auf Pantomime und Minstrel-Show an, während Adebayo zu hip-hoppigem Gesten-Stop-and-Go grimassiert. Das Latexmaterial lässt Nachtclub-Assoziationen aufkommen, erzeugt aber auch posthumane Impressionen. Die weißen Figuren wirken vorder-, die schwarzen hintergründig – wie in einem Ballet blanc, in dem die dramatischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2019
Rubrik: Kritik, Seite 48
von Astrid Kaminski

Weitere Beiträge
Zwischen zwei Welten

Auf den ersten Blick unterscheidet er sich bei den Proben nicht von seinen Kollegen. Daniil Simkin verteilt Pralinen im Ballettsaal, trödelt herum, während sich andere bereits auf ihren Tanz vorbereiten. Kaum ist er aber am Drücker, legt er sich sein Stirnband an, und der Adrenalinschub wirkt: Wie auf Kommando springt er an. Der gebürtige Russe interpretiert seine...

Erik Bruhn Preis: Kristian Lever

Er war ein grandioser Tänzer, nobel bis in die Fuß- und Haarspitzen. -Rudolf Nurejew war die Liebe seines Lebens, ihre Beziehung stürmisch und irgendwann dann doch vorbei. Anders die Verbindung, die Erik Bruhn mit dem kanadischen Nationalballett unterhielt. Sie blieb stabil bis zu seinem Tod im Jahr 1986. Das Vermächtnis dieser Ära ist der «Erik Bruhn Preis»,...

Im Rausch der Kleckse

Martin Kušej, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels in München, wechselt zur kommenden Theatersaison nach Wien an die Burg. Zu seinem Abschied wird im großen Haus, dem Resi, wie die Münchner ihr Residenztheater nennen, ab Ende Mai die -Niederspannungshauptverteilung – vulgo: Strom-anlage – auf den heutigen Stand gebracht. In den zwei anderen Spielstätten, in...