Choreograf des Jahres
Einen «Schwanensee» von ihm hätte jedes Theater mit Kusshand genommen. Das Ballett Zürich hat ihn gekriegt: aus schriftlichen Quellen minutiös rekonstruiert und dennoch ganz und gar heutig. Derzeit bringt kein anderer Choreograf diese Zaubermischung zustande
Es ist weit nach 20 Uhr, als Alexei Ratmansky zu unserem verabredeten Gespräch in der Kantine des Opernhauses Zürich erscheint. Bis eben noch hat er sich um einen Maibaum gekümmert, der im ersten «Schwanensee»-Bild das Geburtstagsfest von Prinz Siegfried schmücken soll.
In Windeseile muss dieser Baum von den Statisten aufgerichtet werden, blitzschnell müssen sich von seiner Krone die jedem einzelnen Tänzer zugeteilten Bänder entrollen, damit keiner ohne ein buntes Band in der Hand um den Baum herumtanzt. Der Teufel steckt im Detail! Auf die Sekunde genau muss hier jeder Handgriff sitzen – man versteht gut, warum dieser Maibaum in keiner heutigen «Schwanensee»-Aufführung mehr auftaucht. Aber für Ratmansky gehört er dazu, und deshalb lässt er nicht locker: «Once more, please!»
Trotzdem scheinen die Strapazen eines Acht-Stunden-Probentages jetzt vergessen zu sein. Alexei Ratmanskys dunkle Augen blitzen durch seine Brille, als er mir ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 138
von Michael Küster
Nach einer «Swan Lake»-Vorstellung in Pittsburgh/Pennsylvania trat ein verstimmter Zuschauer an Dada Masilo heran und machte seinem Ärger darüber Luft, dass ihre Interpreta-tion die traditionelle Lesart des Ballettklassikers verunstaltet habe. Masilo reagierte verdutzt. «Hat der Herr sich denn vorher nicht das Plakat angeschaut? Die Tänzerinnen und Tänzer tragen...
Diese Künstlerin hat den Mut, die Getriebenheit und den Scharfblick, die in Zeiten wie diesen gebraucht werden. Elisabeth Bakambamba Tambwe, geboren 1971 in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, ist seit 2007 Wienerin. Bis vor fünfzig Jahren hieß Kinshasa nach dem belgischen König Leopold II. noch Léopoldville. Der Herrscher hatte sich seinen «Freistaat Kongo»...
Keine verkörperte die Olympia wie sie, voll erlesenem Geschmack, dabei auf eine aparte Art verführerisch und mit einer Erhabenheit, der auch die Zurückweisung durch Armand nichts anhaben konnte. Jeder, der seinerzeit bei der «Kameliendame» von John Neumeier in Stuttgart mitgefiebert hat, wird Nora Kimball in lebhafter Erinnerung haben – ebenso wie Márcia Haydée,...
