Seitensprung in der Lokremise
Schau, was kommt von draußen rein? Es ist nicht das feine Liebchen, auch wenn es sich zuweilen durchaus fein und lieblich gebärdet. Es ist auch nicht der Nikolaus, trotz der dicken Mäntel und der wuchtigen Schritte. Bunte Gestalten sind es, die zum Fenster einsteigen oder aus Schlafsäcken kriechen und gern Lenny Kravitz hören, denen aber auch Franz Schuberts Klaviermusik in die Glieder fährt.
Mit «Schlafende Hunde we-cken» ist Philipp Egli eine Choreografie gelungen, die die Zuschauenden mit augenfälliger Musikalität für flüchtige Momente richtig jauchzen lässt und sie dann vorsätzlich so bestürzt, bis es einen schwelgen und schwindeln macht. Pulsierend rhythmisiert und räumlich raffiniert komponiert, lässt der aus Zürich stammende Choreograf seine vierzehnköpfige Tanzkompanie Theater St. Gallen immer neu ausholen zu überschwänglicher Ausgelassenheit und versunkener Innigkeit, zu gezitterter Agonie und unbändiger Wut, zu getorkelter Gleichgewichtsstörung und leichtfüßiger Harmonie.
Dabei tut sich nicht nur eine vielfältige Spannung auf zwischen der Musik und dem wechselnd on und off beat choreografierten Tanz. Und auch die räumlichen Verhältnisse spiegeln sich thematisch clever ...
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Die Anekdote will es, dass Graf Keyserlingk, der russische Gesandte am Hof von Dresden, nachts nicht einschlafen konnte. Trübe Gedanken quälten ihn, der Alb drückte auf seine Seele, und der von Krankheit Gezeichnete forderte Linderung. So ließ er nach Johann Gottlieb Goldberg rufen, den Bach zu seinem Meisterschüler erkoren hatte. Bach schrieb für Goldberg dreißig...
Vor fünf Jahren, als Merce Cunningham sein mit virtuellen Tänzern bestücktes Werk «Biped» herausbrachte, träumte der letzte große Kongress zum Thema Tanz und Neue Medien von der großen Verschmelzung der virtuellen Realität mit der körperlichen Entität. Nach dem Traum kam nichts mehr. Ein unlösbarer Widerspruch war enstanden, ein Paradox: Je selbstverständlicher...
Nur zehn Tänzer, das hat auch Vorteile. Man muss sich als Dramaturg bei einer Sonntagmorgen-Einführungsmatinee im Freiburger Theater (mit rund fünfzehn Senioren und Lehrern) auf die unvermeidliche «Schwanensee»-Diskussion gar nicht erst einlassen. Das ginge ja schon allein wegen der Größe des Ensembles nicht, sagt Oliver Held und überlässt es der Chefin der neuen...
