Editorial
Jean-Georges Noverre schäumt vor Wut in seinem VIII. Brief über die Tanzkunst:Der Tanz, ganz und gar zu Hause in der Oper und wie keine andere Kunst begabt, diese wieder glaubwürdig und anrührend zu machen, ausgerechnet der Tanz verkommt in der Hand von Ignoranten zum gefälligen Ornament. Anstatt die erneuernden Kräfte der Bewegung zu nutzen! Man müsse «die Autoren korrigieren; den Tanz mit der Handlung verweben», kurz, Choreografie nicht ungelenk danebenstellen, sondern «endlich die Lücken schließen, die die ganze Opernproduktion beschädigen ...»!
Das war 1760.
Heute? Genug gejammert über die Diskriminierungen der «Stiefsparte Tanz». Man hat sich emanzipiert, wo man kann. Und zu den Träumen, die sich die Choreografen zu erfüllen trauen, gehört auch, wieder, immer noch: die große Oper. Nicht aus falsch verstandener Nostalgie oder Rachegelüsten, sondern aus Verwandtschaftsgründen. Beide, Tanz und Oper, sind, wenn man das großzügig auslegt, audiovisuelle Erzählmedien. Beider Stärken sind Künstlichkeit und Abstraktion. Wer sie verstehen will, muss sich ihnen hingeben. Kein Wortlaut steht im Weg. Dafür verwandelt gute Musik Gefühle und Geschichten in Klang, und Choreografie kann mit ...
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Warum nicht gleich «Le Martyre de Saint-Sébastien»? Das Debussy-Ballett, zuletzt von Uwe Scholz für die Mailänder Scala choreografiert, hätte Vladimir Malakhov bei der Premiere keine Buhrufe eingetragen. Sie waren auch bei «Caravaggio» nicht wirklich gerechtfertigt. Doch während hier die Geschichte des italienischen Malers ein Vorwand scheint, den männlichen...
Jaroslaw Jurasz
«Alexis Zorbas»
Unvergesslich die Schlusssequenz aus Michael Cacoyannis’ Film von 1964, in der Alexis Zorbas alias Anthony Quinn den Sirtaki tanzt. Alles hat er nach dem Zusammenbruch seiner Seilbahn verloren, nur nicht seine Lebensfreude. In Halberstadt dampft Jaroslaw Jurasz die 360 Seiten von Nikos Kazantzakis’ Roman auf ihren tanzbaren Extrakt...
Studieren kann man Tanz mit internationaler Anerkennung durch die Qualifikationen als Bachelor oder als Master of Arts. In der Schweiz macht sich der Choreograf Philipp Egli nun für den BA stark, eine gute Grundlage für Tänzer und Choreografen, um Praxis mit Theorie zu verbinden. Egli verließ abrupt letztes Jahr das Theater im schweizerischen St. Gallen und kehrte...
