ins tiefe dunkel
In einem Interview zu meinem letzten Stück «Now I Lay Me Down» fragte mich die Gesprächspartnerin: «Holen Sie mit Ihren Arbeiten in lichtlosen Räumen durch die Hintertür die Große Oper zurück?» Ich war total verblüfft, verstand zunächst gar nicht, warum eine musikalische Performance – in dem Fall ohne Gesang – in einem lichtlosen Raum «Große Oper» sein sollte: «Große Oper», die Verbindung aller Künste in meist monumental inszenierten aufwändigen Bildern! Was hatte das mit meinen intimen Choreografien von Musikstücken inmitten von liegenden Menschen zu tun?
Me
ine Einführung in die Oper erfolgte durch Wagners «Lohengrin» mit Musicalstar, Rocksänger und Heldentenor Peter Hofmann an der berühmten Metropolitan Opera in New York. Der Besuch verdankte sich der liebevollen elterlichen Idee, uns – Sprösslinge einer ansonsten wenig musikgeneigten Familie – auf allerhöchstem Niveau mit dem Musiktheater bekannt zu machen. Ich war ungefähr zwölf Jahre alt, mitten in der Pubertät, ich hatte Not mit Pickeln und den wachsenden körperlichen Attributen einer Frau, die ich noch nicht kannte und mit denen ich gar nichts anzufangen wusste. Ich war verwirrt von überwältigenden Emotionen und dem Gefühl, ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Sinne, Dramen, Klang, Seite 87
von Sabrina Hölzer
Ein Lob auf die Einwanderung. Ein Lob auf diesen reichen Quell an Themen, den die Kriege, die Armut, die Gewalt zu uns tragen. Wir dürfen nun all diejenigen verehren, die es trotz Frontex und Triton hierher geschafft haben. Zwar formuliert die türkische Tänzerin Ceren Oran in München es lieber so: «Man bleibt trotzdem heimatlos, allein schon wegen der Bürokratie...
Vieles fügt der Zufall. David Iglesias aus Barcelona zeigte 2012 beim Berliner «Tanzolymp» zwei Variationen: die des Blauen Vogels aus «Dornröschen» und jene aus dem Pas de trois in «Schwanensee» – und wurde bemerkt. Die Staatliche Ballettschule Berlin köderte ihn mit einem Stipendium. Das änderte sein Leben. Drei Jahre bauten Lehrer der hauptstädtischen...
Erst küssten sie, dann schlugen sie – und beides taten sie ganz ohne Gefühl. Zärtlichkeit ohne Liebe, Gewalt ohne Hass. Das in Düsseldorf ansässige Choreografen-Paar Billinger & Schulz darf man derzeit getrost als Experten für motivations- und moralfreie Körper-Aktionen betrachten. Das Duo aus der akademischen Theaterschmiede in Gießen mag auf den ersten Blick ganz...
