Nigel Charnock: «Stupid Men»
Tunte sein. Oder zumindest schwul. Ein spezieller Wunsch, zugegeben, aber für eine atemlose Homo-Revue nicht unangebracht. Vier männliche Objekte fegen in «Stupid Men» über die Bühne und durch die Zuschauerreihen, und für jeden Geschmack ist etwas dabei: straff-durchtrainiert, gemütlich-aufgeschwemmt, sehnig-frustriert. Ihr Unterhaltungsprogramm zur Biennale de Venezia war noch nicht ganz ausgereift, aber eindeutig fixiert: Sex, Männer, Sex, Attraktivität, Sex, Verführung, Sex, Frauen (Pseudothema), Sex.
Nigel Charnock, Adrian Howells, Mike Winter und Robin Dingemans geben ihr Bestes: tanzen, singen, strippen bis zum Vorletzten, rasen durch den Saal, klettern durch die Zuschauerreihen, entwenden italienischen Zuschauerinnen die Handtasche, beschimpfen ihr Publikum (you: fat! you: old! you: Jew! German, Italian, boring, ugly, beautiful, sexy – alles taugt zur Beleidigung) und sind immer dann am besten, wenn ihr Spektakel richtig aufdreht und alles gleichzeitig geschieht.
Der Aufwand an Energie, den sie betreiben, ist zweifellos beträchtlich, ebenso ihre Professionalität und die gesammelten Jahre an Erfahrung (laut Programmheft angeblich insgesamt hundertfünfzig). Das Thema ist auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nur wenigen Choreografen gelingt es, eine eigene, unabhängige Handschrift zu entwickeln und diese auch noch lebendig zu erhalten. Der Brasilianer Rodrigo Pederneiras ist einer von ihnen. Jüngster Beweis: Breu, uraufgeführt im Teatro Municipal in Rio de Janeiro von seiner Grupo Corpo. Es geht zur eigens komponierten Musik von Lenine um einen Dialog zwischen...
«Wir wollen weiter für dich tanzen!» Der Wunsch der Wuppertaler war Pina Bausch Befehl. «Sie würde nicht im Wege stehen, diesen Menschen den Spaß nicht nehmen», schreibt Jo Ann Endicott in dem kleinen, feinen Büchlein, und die Damen und Herren ab «65» lassen sich nicht lange bitten: Mindestens 69-mal haben sie ihren «Kontakthof» gezeigt, der nur eine einmalige...
Jüngst schickte William Forsythe seine Zuschauer im Gänsemarsch durch einen Nebeneingang ins Bockenheimer Depot in Frankfurt. Wölfl schleust einen Teil seines Publikums durch das hintere Abteil einer Stretchlimousine, wo ein schlafender Nackter und zwei anscheinend kriminelle Hallodris auf Besucher warten, damit sie ihre Plätze im Marstall von Schloss Benrath...
