auf dvd: Matthäus-Passion
Es ist fraglos John Neumeiers monumentalstes Werk. Das, mit dem er sich am längsten auseinandergesetzt hat, sein , wie er bekennt, intensivstes Schaffenserlebnis seiner Karriere. Immer wieder während der Entstehung hat er gerungen, ob es richtig ist, sich eines solchen «Heiligtums» der Musik anzunehmen. Neumeiers Choreografie zu Johann Sebastian Bachs Passion war seinerzeit, als sie 1981 uraufgeführt wurde, Gegenstand lebhafter Debatten: ob man überhaupt eine sakrale Komposition wie die Bachs für Tanz verwenden dürfe. Diese Frage hat sich durch die weitere Tanzgeschichte erledigt.
In Hamburg errang die «Matthäus-Passion» Kultstatus; das Ballett wird seit vielen Jahren zur Osterzeit in der St.-Michaelis-Kirche aufgeführt. Immer wieder hat Neumeier selbst den Part des Christus übernommen. Zuletzt tanzte er ihn 2005 im Festspielhaus Baden-Baden. Von dieser Aufführung gibt es einen Live-Mitschnitt, der nun auf DVD vorliegt. Regisseur Thomas Grimm, ungemein erfahren in der Aufzeichnung von Tanz, ist dabei ein Meisterstück gelungen: Einerseits fängt er die Breitflächigkeit der Choreografie ein, andererseits lädt er das Ganze mit filmischer Dramaturgie auf, kreiert einen geschickten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt Kirschen, die haben nichts als Kerne, und Josef Nadj weiß, wo man sie findet. Statt eines nostalgischen Spaziergangs im «Kirschgarten» hat er dem Tschechow-Festival in Moskau einen bitteren «Cherry Brandy» eingeschenkt, direkt aus dem Gulag. Die Kommissare des französisch-russischen Kulturjahrs baten ihn um einen getanzten Beitrag zu Russlands Theaterikone....
Ein Vertrag, den am Stadttheater jeder Choreograf unterschreibt, enthält mindestens diesen Passus: «Ch. ist verpflichtet, verstorbene Personen des öffentlichen Lebens zu vertanzen, die jedermann geläufig sind.» Nach Frida Kahlo («Casa Azul») zerlegt Marguerite Donlon nun den großen Komiker Buster Keaton. Ebenfalls immer unterschrieben wird: «Ch. ist...
brach aus seiner Heimat Brasilien auf, um via New York (Alvin Ailey American Dance Theater) in Europa Karriere zu machen. Er arbeitete mit so unterschiedlichen Künstlern wie Johann Kresnik und Márcia Haydée zusammen, leitete von 1997 bis 2000 das Tanzensemble am Nationaltheater Weimar und ist seit 2005 Direktor des Tanzfestivals der Biennale von Venedig. Der...
