Erfurt, Gera: Silvana Schröder «Giselle»
Nein, das Ballett stammt nicht aus dem Nachlass von Johannes Brahms. Aber das Liebeslied «Guten Abend, gut’ Nacht» hat er komponiert. Silvana Schröder stellt es jeweils an den Anfang ihrer beiden «Giselle»-Akte und bedeutet dem Publikum noch vor Beginn auf signalhafte Art, dass es auf eine traditionelle Aufführung des Ballet fantastique nicht hoffen darf. Tatsächlich ist alles anders im Theater Erfurt, wo die Koproduktion mit dem Staatsballett Thüringen als Uraufführung vorgestellt wurde. Nur die Musik Adolphe Adams ist die gleiche – von den Anfangstakten mal abgesehen.
Die Brahms-Klänge ertönen aus einer Spieluhr, die Giselle gehört. Nicht mehr Mädchen, noch nicht Frau, fühlt sie sich in ihrem Puppenheim nicht mehr aufgehoben. Das Kinderzimmer hat sich ins Riesenhafte vergrößert. Schier ein Ding der Unmöglichkeit, die Tür zu öffnen. Doch wenn es ihr gelingt, versetzt sie das Dahinter in Angst und Schrecken: Mutter Myrtha, längst dahingeschieden und doch gegenwärtig, zudem noch umringt von einer Schattenschar, die ihre Scheinexistenz ins Unermessliche steigert. Kein Wunder, wenn sich die Verängstigte nur zu gern in die Arme Albrechts fallen lässt. Natürlich in der etwas naiven ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz
Die Wiedervereinigung hat einst als «Zonenrandgebiete» ausgewiesene Landschaften in die Mitte Deutschlands gerückt. Zum Beispiel Teile der hessischen Rhön, die nach dem Mauerfall von Kunst- und Kulturinteressierten neu entdeckt wurden. Nicht nur der Barock, auch die Moderne der Zwischenkriegszeit hat hier Spuren hinterlassen. Etwa Loheland, östlich von Fulda...
Das kann ja heiter werden. Bevor die Vorstellung richtig beginnt, treten die zwanzig Tänzer und Tänzerinnen vor den Vorhang und stellen der Reihe nach ihre persönliche Beziehung nicht nur zu dieser «Romeo und Julia»-Produktion her. Noch scheinen alle nackt; die fleischfarbenen Bodys lassen allerdings manchen Muskel, aber auch Geschlechtsteile monströs hervortreten....
Auch große Choreografen haben klein angefangen. «Haiku» von John Neumeier, «Paradox» von Jiří Kylián, «Urlicht» von William Forsythe: Das alles waren mehr oder weniger Selbstversuche am eigenen Körper, oft unter tätiger Mithilfe befreundeter Tänzer. Ein Solo, ein Duo, das scheint also ganz normal zu sein am Beginn einer erhofften Choreo-grafen-Karriere. Nicht...
