Aufruf: Die Tanzgräfin
Jeder kennt das: Da bezeichnet sich eine Tänzerin als Tänzerin Schrägstrich Choreografin. Denn tanzt sie ein Solo, das sie selbst erarbeitet hat, ist sie sowohl Autorin wie Interpretin. Liest man also das etwas umständliche «die Tänzerin und Choreografin Yoshiko Waki», ist das weniger dem stolzen Selbstverständnis geschuldet, beides zu können: zu kreieren und gehorchen, sondern der Tradition.
Einst war der Tänzerkörper vor allem «Material», der Choreograf gern von gesetzterem Alter und vor allem der Urheber.
Von dieser Unterscheidung macht die Praxis immer seltener Gebrauch. Tänzern wird längst zugestanden, Ko-Choreografen zu sein, die eigenen Ideen einzubringen und selber zu improvisieren. Der Einzige, der dies noch nicht einsieht, ist der Gesetzgeber. Der kann sich den Tänzer nur als abhängig beschäftigtes Wesen vorstellen. Weil dies aber auf einen immer kleiner werdenden Personenkreis zutrifft, blieb den Tänzern nichts anderes übrig, als selbst als Autoren aufzutreten – obwohl sie weiter selber tanzen.
In diese wie in alle vom Staat geschaffenen Grauzonen hat sich nun der Vorschlag eingeschlichen, mit der Trennung vollends Schluss zu machen. Tanzkünstlerin ist ein netter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tänzer. Ein Metier für Körper, Geist und alle Sinne. Kunst und Handwerk. Unerklärliche Berufung und harte körperliche Arbeit. Wer den «Beruf: Tänzer» ergreift, ist in jedem Fall: ein Überzeugungstäter. Nach einer langen, fordernden, hochspezialisierten Ausbildung muss man den Sprung auf die Bühne erst noch schaffen. Einmal dort, ist mit geregelten Arbeitszeiten so...
Iñaki Azpillaga unterrichtet Tanzkompanien wie Ultima Vez, die Needcompany und Charleroi/Danses und ist Gastdozent bei zahlreichen Tanzfestivals in ganz Europa. Er studierte Baskischen Volkstanz, Ballett, Jazz, Modern und Contemporary Dance und tanzte u. a. mit Mathilde Monnier, Ultima Vez, Bocanada Danza und der National Ballet Company of Spain. Seit vielen Jahren...
Brest, Bretagne, Dezember 2006
Das Ballett der Opéra de Lyon gastiert. Die deutsche Austauschschülerin Alma Toaspern aus Leipzig sitzt in Reihe drei und ist elektrisiert. «Limb’s Theorem» von William Forsythe. Bei Google und YouTube forscht sie nach dem Choreografen, von dem sie noch nie etwas gesehen, geschweige denn gehört hat. «Aber ich wollte die ganze Zeit mit...
