Hoffnungsträger: Fatoumaka Bagayoko
Die junge Frau aus Mali wirkt schüchtern und bescheiden, aber sie muss sprechen, das Tabu zerbrechen, und dafür nimmt sie alle Kraft zusammen. Ihr Tanz ist ein stiller Aufschrei, der dem Publikum die Kehle zuschnürt, Gestik und Schrittfolge sind weich, fast zögerlich und trotzdem intensiv. Ein weißes Laken mit großem Blutfleck und ihren Körper – mehr braucht Fatoumata Bagayoko nicht, um eine ganze Welt zu erschaffen. Schrecklich ist diese Welt, empörend und -demütigend: Es ist die Welt der Genitalverstümmelung, der auch heute noch Millionen Mädchen in Afrika ausgesetzt sind.
Die Tänzerin spricht zu den Ahnen auf Bambera. Sie lobt ihre Weisheit, ihre Kraft der Vermittlung und erkennt ihre Autorität an. «Aber wie das Sprichwort sagt, man kann weise sein, ohne alles zu wissen», so klagt sie den Mangel an Empathie und Menschlichkeit an, der dafür verantwortlich ist, dass Mädchen in der «Nacht des Blutes» beschnitten werden und lernen sollen, sich ihrem Mann zu unterwerfen. Fatoumaka Bagayako zeigt die Angst, die Scham und den Schmerz in knappen, eindringlichen Bildern, wenn sie sich in das Laken verkriecht wie in ein Versteck. Ihre Bühnenpräsenz ist enorm, und dass sie selbst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 166
von Renate Klett
Er ist 70 Jahre alt. Ein Hoffnungsträger? Er trägt jedenfalls seine Bühnenstücke in die Theater und zum Publikum hin. Wie Pakete. Die packt er aus. Dann gibt er etwas ab. Was und wie man ihm das abnimmt, ist die Frage, immer wieder. Ob man mehr als zuschaut, nämlich hinschaut. Vielleicht gar aufschaut.
Hoffnung ist ein zu kleiner oder zu einfacher Begriff für das,...
Ich hatte bisher in meiner noch jungen Karriere weder einen Talisman noch besondere Rituale. Aber ein Vorstellungstag ist für mich, wie für viele Künstler, etwas Besonderes. Ich schaue in den Stunden vor einem Auftritt gerne einen guten Film an oder höre Musik, die mich inspiriert, die Emotionen freilegt und meine darstellerische Kraft stärkt.- Vermutlich ist das...
ich habe keinen talisman. ich habe auch kein kontinuierliches ritual. es gibt jedoch gedanken, die oft hochkommen, kurz bevor ich auf die bühne gehe. ich denke an meine grossmutter, die schon lange nicht mehr lebt, an ihre energie und lebensfreude, ihren blick, wie sie mich und meine ersten tanzversuche im wohnzimmer am attersee beobachtet hat und so glücklich war,...
