Jenseits

Die heimliche Hauptfigur des Theaters

Tanz - Logo

Jérôme Bel, der große Intellektuelle unter den Choreografen, findet es traurig, dass es den großen Vorhang nicht mehr gibt. Nicht bei den modernen Stücken. In Paris, «in der Opéra Garnier gibt es noch zwei Vorhänge und jeder von ihnen hat mehrere Bewegungsarten beim Öffnen, das war faszinierend, aber vielleicht auch ein bisschen unnütz», sagt der Meister.

2001 in «Sans titre» choreografierte er am Deutschen Schauspielhaus Hamburg ein ganzes Stück nur für den Vorhang.

Drei Jahre später gab es am selben Ort erneut eine Hommage ans «Augenlid des Theaters», diesmal von Gabriele Brandstetter und Sibylle Peters, zwei Tanzwissenschaftlerinnnen, deren Performance der Wissenschaft das ganze Geheimnis des Theaters enthüllte. Sie entdeckten: Das ganze Geheimnis des Theaters ist der Vorhang.

Wo heute der Vorhang fehlt, wird er ersetzt, bei Forsythe durch Wände, bei Forced Entertainment durch eine Wolldecke, bei der Muppet Show, so Sibylle Peters in ihrem sehr amüsanten Beitrag zu den «Szenen des Vorhangs» ist Kermit der Frosch nur deshalb so grün, weil er, der knallrote Vorhang, sein stechendes Kontrastmittel ist. Öffnet der Frosch seinen samtroten Mund, sieht man aber sofort: Kermit ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2009
Rubrik: Jenseits, Seite 74
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tatjana Barbakoff, Rosalind Crisp «Dance(4)»

Tatjana Barbakoff
war die Goldenen Zwanziger Jahre in Person. Ihre Soloauftritte in Berlin inspirierten zahllose Maler und Fotografen ihrer Zeit. Die Portraits der wunderschönen, aus Lettland stammenden Tänzerin sind zahlreich – und nun in Düsseldorf, im Kultur Bahnhof Eller, noch bis zum 1. März zu sehen. Barbakoff hatte weder Vorbilder (obgleich manche Bilder sie...

Eine Green Card für Tänzer

Will ein Tänzer oder Choreograf nicht nur für einen Workshop, sondern dauerhaft in den USA arbeiten, vergibt die US-Regierung ein Visum speziell für Künstler: das O-1 für Extraordinary Aliens, für Fremde mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, das einer Green Card entspricht. Man muss «nur» beweisen, wie extraordinär man wirklich ist. Svea Schneider, eine deutsche...

Gerald Siegmund

Gerald Siegmund ist seit dem 1. Januar Professor für Tanzwissenschaft in Gießen und gründet nun den nagelneuen Masterstudiengang Choreografie und Performance, Cup genannt. Das zweijährige Studium bietet das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Uni Gießen zusammen mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt an. Gerald Siegmund, auch...