wien: «speak low if you speak love»
«Speak low if you speak love», empfiehlt das neue Werk von Wim Vandekeybus – und zitiert damit Shakespeares «Viel Lärm um nichts». Bei Vandekeybus bedeutet leise von der Liebe zu sprechen, dass das Gesagte vielleicht Unsinn ist oder zu intim für Gebrüll. Oder «low» meint «niedrig», und die Liebe verweigert jeden Höhenflug. Beim Zuschauen fühlt man sich jedenfalls wie der Tänzer, der zu Beginn ein Seil ins Publikum wirft und immer wieder ein leeres Ende zurückzieht. Kein Fisch, kein Fang.
Wo ist die Liebe?
Zu Beginn sind die Akteure blind, gesichtslos, unfertig, roh, mit Tüchern über den Köpfen. Sie fassen einander am Hals, treten, zappeln, klettern einer auf den anderen. Rennen, klammern, schleppen. Die Gruppe verwirbelt im Sturm. Bodenständiger ist die Sängerin Tutu Puoane, sie tritt auf und ab wie eine Mutter Erde, mit ironischer Krume. Aus einem baby-großen Brotlaib kullern Münzen, alle gieren danach. Schubsen, grapschen, zerren. Eine Männerhand auf einem Frauenbauch, ihr Kopf dann an seinem Bauch, er schraubt sie zu Boden. Das Tierhafte bricht sich manchmal Bahn, Arme werden wie Stierhörner vor den Kopf gestreckt oder zur Seite wie Flügel. Der erste Tänzer, der sehen darf, ...
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Tanz Juli 2016
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Melanie Suchy
deutschland
On tour
Ballet Revolución mit neuer Show: Moves zwischen Ballett und Streetdance treffen auf den Live-Sound internationaler Club-Hits, auf Pop, R&B, Hip-Hop und lateinamerikanische Rhythmen: Hannover, Staatsoper, 28. Juni – 10. Juli; Köln, Philharmonie, 12.–24. Juli, 2.–6. Aug.; bb-promotion.com
Les Ballets Trockadero de Monte Carlo aus New York,...
im august/september: russland
Der Riese im Osten ist ziemlich ins Wanken geraten. Die Wirtschaft stockt, der Rubel rollt nicht mehr so ohne Weiteres, nur Vladimir Putin scheint fest im Sattel zu sitzen. So fest wie sein Namensvetter, der Generaldirektor des Bolshoi, Vladimir Urin. Der hat Sergei Filin abserviert und Makhar Vaziev aus Mailand geholt, um das Ballett...
Zu viel Symbolik kann zum Hindernis werden. Can Arslan lässt seine Tänzer mit beleuchteten Würfeln hantieren, die größer und immer größer wiederkehren, dann baumeln plötzlich weiße Masken von der Decke, oder dunkle Geflechte anonymisieren einzelne Gesichter, es flackert das Stroboskop. Die Zutaten werden im Programmheft erklärt, hängen aber eher unverbunden in...
