Roman Novitzky
Wie macht er das nur? Tanzen, choreografieren, fotografieren, mitten in der Saison eine wichtige Premiere, kurz danach die erste Ausstellung? Roman Novitzky ist bei allem, was er anpackt, nicht das, was man einen Tausendsassa nennt. Bewundernswert am Ersten Solisten des Stuttgarter Balletts ist weniger, wie er als Multitalent alles unter einen Hut bekommt. Hoffnungsfroh stimmt eher die Ernsthaftigkeit, mit der er Dinge angeht und sich Wege eröffnet, die über den Tanz hinausweisen.
Ob Dramaturgie, Bildschnitt, Lichtverhältnisse: Als Choreograf wie als Fotograf mit Kunstanspruch ist es wichtig, einen Schritt zurücktreten zu können, um aus der Distanz den Überblick zu wahren.
Novitzky kann das, und ist doch mit seinen Tanzbildern auch mittendrin, wenn er während der Vorstellungen aus den Seitengassen die Kollegen beobachtet, ihre Konzentration zuspitzt, flüchtige Emotionen festhält. Durch ungewöhnliche Perspektiven überraschen seine Fotografien, nachklickbar unter www.romannovitzky.com. Wie flüchtig der Tanz ist, weiß der Slowake aus eigener Erfahrung, als Solist steht er auf der Bühne oft genug seinen Mann, als eleganter Onegin so überzeugend wie als Muskelprotz in Glen Tetleys ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 168
von Andrea Kachelrieß
Der Duft von Pfannkuchen. Die Art, wie der Wind riecht. Wie die Diele knarzt. Wie sich der Boden unter den Füßen anfühlt. Wen wir zum Reden suchen, wenn wir in Sorge sind. Mit wem wir Freude teilen, wenn sie zu viel ist für einen allein. Ein Gericht. Der Gruß des Nachbarn. Ein Lied. Dass der Bäcker weiß, welches Brot wir lieben. Wie wir feiern. Die Chefin der...
Zwei ältere Jungs zwängen sich an den jüngeren Mädchen vorbei und äugen durch den Vorhang. «Das muss ich sehen», sagt der eine. Dann greift er sich wie Siegfried an die Brust und fällt auf die Knie: «Och». Der tiefe Seufzer gilt nicht Rihanna oder Pink. Im Theatersaal der Staatlichen Ballettschule Berlin steht Polina Semionova und probt mit der Klasse 6b...
Ausgerechnet zwei Quereinsteiger. Ausgerechnet zwei Bühnenkünstler, die gar keine Tanz-, sondern eine Artistenausbildung absolviert haben, die niemals Ballett, dafür aber das Fliegen, Fangen, Werfen, Aufeinanderstehen, Menschentürme-Bauen gelernt haben – ausgerechnet diese beiden also haben zuletzt ein Stück Tanzgeschichte -respektvoll, originell in die Gegenwart,...
