Kein Abschied

Vor vier Jahren hat Mats Ek, einer der eigenwilligsten Choreografen unserer Zeit, zur Bestürzung der Ballettwelt seinen Rücktritt erklärt. Jetzt ist er wieder da. Über die kreativen Kehrtwendungen seines Lebens spricht er mit Hartmut Regitz

Tanz - Logo

Mats Ek, das Schlussmachen ist auch für Choreografen manchmal ein großes Problem. Ihr Kollege Jiří Kylián gehört zu den wenigen, die sich ihm gestellt haben. Er zog sich 1999 aus der Leitung des Nederlands Dans Theater zurück und setzte neue Prioritäten in seinem Leben.

Genau das habe ich auch getan. Mit 70 habe ich meine Pen-sion in Anspruch genommen – wenn man so will: nach 50-jähriger Tätigkeit als «Bühnenarbeiter». Ich wollte aus eigenem Antrieb entscheiden, wann ich Schluss mache.

Und ich habe meinen Entschluss auch konsequent in die Tat umgesetzt, keine Stücke mehr einstudiert, keine Aufträge mehr angenommen. 

Im Ernst?

Absolut. Mein vorerst letztes Stück hieß 2015 «Hâche», zu Deutsch: «Axt». Das sagt manches.

Galt der Schlussstrich allein dem Choreografen Mats Ek? Sie waren ja schließlich auch als Schauspiel- und Opernregisseur tätig.

Es betraf das Choreografieren wie das Inszenieren. Dafür habe ich wieder getanzt, was eine andere Ebene meines Schaffens ist. Meine Frau Ana Laguna und ich haben zwei kleinere Pas de deux erarbeitet, die wir bei unterschiedlichen Gelegenheiten vorstellen. 

Heißt das, Sie sind auf die Bühne zurückgekehrt?

Ich bin nie wirklich abgetreten, habe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2019
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Screening 6/19

Mein Tanz mit Pina

Dass Jo Ann Endicott nicht auf den Mund gefallen ist, weiß man aus vielen Vorstellungen. Dass die langjährige Bausch-Interpretin auch was zu sagen hat, lässt sich leicht an ihren beiden Büchern «Ich bin eine anständige Frau» und «Warten auf Pina» ablesen. Nie haben andere Publikationen das Phänomen Pina Bausch auf so liebevolle, wenngleich nicht...

Synästhesie

Um es vorwegzunehmen: Ich verstehe nichts von Tanz. Weder von klassischem noch von modernem Tanz, weder von der Praxis noch von der Theorie. Umso erstaunlicher, dass ich einen Artikel für eine renommierte Tanzzeitschrift schreiben darf. Dies hängt damit zusammen, dass ich während der Arbeit an einem Roman auf das Fräulein Grunow gestoßen bin – Gertrud Grunow, eine...

Mr. Dynamite

Was für Galoschen! Knöchelhoch abgewetzt, sagenhaft ausgelatscht und mit vorne heraushängender Zunge sehen sie aus, als kämen sie direkt aus irgendeiner Museumsvitrine. Der Zahn der Zeit hat die seitlich aufgedruckten Logos derart abgenagt, dass sie aus zwei, drei Metern Abstand nicht mehr zu entziffern sind. Das abgeschlunzte Schuhwerk erzählt viel über den Mann,...