Der Tutu
Nichts symbolisiert das klassische Ballett mehr als das Kostüm einer Sylphide, das zum ersten Mal eine gewisse Marie Taglioni trug, als sie in Paris 1832 eine in Schottland beheimatete, geflügelte Waldfee darstellte. Die Choreografie stammte von ihrem Vater, Filippo Taglioni, dessen Begabung, ein Exzentriker zu sein, dafür spricht, dass die Idee mit dem aus mehrlagigem Seidentüll gefalteten Rock durchaus von ihm stammt. Der Entwurf selbst verdankt sich dem befreundeten Maler Eugène Lami.
Nun war kaum üblich, dass ein junges Mädchen auf der Bühne seine Beine zeigte, zumal es auf Spitze tanzte, der Tutu also quasi wie ein Deckel auf den zwei verlängerten Beinen wirkte und, als Nebeneffekt, den Tanz der Beine säuberlich vom Tanz der Arme trennte.
Die Revolution schlug aber ein, auch in der Mode. Seither hungern die Frauen sich gern aufs Maß einer «Sylphide» herunter, wie sich damals eine Modezeitschrift nannte. Von nun an erschien der Tutu in immer neuen Fortsetzungen, in «Giselle» (länger und keuscher) und in «Schwanensee» (wieder kürzer, mehr abstehend, dafür auch in Schwarz). Egal, wie bigott die Zeitgenossen sich zum Tutu verhielten: Die Panniers, die bis dahin üblichen alten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Lang lebte die zeitgenössische Tanzszene von Erinnerungen. Zwei Generationen Tänzer hatten sich von Carolyn Carlson inspirieren lassen und/oder zehrten von ihren Studienaufenthalten in New York … Aber Neues spross wenig in Italien, während die Avantgarde von einst langsam ranzig wurde. Verrückt, denn Theater aller Größen und sogar vorsichtig neugieriges Publikum...
Sie haben eine fünfjährige Tochter mit Ballettambitionen, die mit rosa Prinzesschen aber nichts am Hut hat? Gratulieren Sie dem Kind zu seinem guten Geschmack – und ansonsten: Vergessen Sie’s einfach. Neun von zehn Schulen werden Ihre diesbezügliche Anfrage höflich, aber bestimmt bescheiden: «Ja, selbstverständlich tragen unsere Babyballerinen Rosa, was denn sonst?...
Schwanensee
Der Prolog gehört der eigentlichen Hauptfigur dieses «Schwanensees», dem Zauberer Rothbart. Er hält, wie man weiß, in Schwäne verwandelte junge Mädchen gefangen, die er als ebenso mitleidheischende wie liebliche Köder für unschuldige Männer einsetzt. Wer so einer Schwanenjungfer auf den Leim gegangen ist und sie nicht vor Rothbart zu erretten vermag,...
