Bridging the chasm

Alle öffentlichen Orte, auch das Theater, verlangen Verhaltensnormen. Hier wird der Bürger durch Sitznummern, dort wird er durch Ampeln diszipliniert. Ruhe ist im Theater erste Bürgerpflicht. Auf der Straße sorgen Überwachungskameras für denselben Effekt. So ist es an der Zeit, den öffentlichen Ort selbst als Theater zu betrachten

Tanz - Logo

Oh, it doesn’t matter what you wear
Just as long as you are there
So come on, every guy grab a girl
Everywhere around the world
There’ll be dancin’
They’re dancin’ in the street

This is an invitation
Across the nation
A chance for the folks to meet
There’ll be laughin’ and singin’ and music swingin’
And dancin’ in the street

Was haben Tanz und Öffentlichkeit miteinander zu tun? Eine mögliche Antwort gibt ein Blick in die Popgeschichte.

Als 1964 der scheinbar harmlose Song «Dancing in the Street» von Martha & The Vandellas erscheint, wird er nicht nur direkt ein Spitzenreiter der Charts, sondern bald auch eine Hymne der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. So wurde der Song bald auf Demonstrationen gespielt: Das Tanzen auf der Straße, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, wurde zum Ausdruck für die Forderung demokratischer Teilhabe. Der Aufruf des Songs, sich auf der Straße tanzend zu versammeln, nimmt dabei alle Aspekte auf, die heute mit dem Begriff des öffentlichen Raums verbunden sind: Zugangs- und Bewegungsfreiheit, soziale Interaktion und Versammlungsrecht und eine besondere Heterogenität.

Aber auch auf einer anderen Straße wurde 1964 getanzt. Was genau die Zuschauer sahen, als sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2007
Rubrik: Windige Orte, Seite 10
von Annemarie Matzke

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jirí Kylián: Seducing the Audience

It is always a delight to speak to Mr. Kylián, a man of great intellectual finesse, possessed of a depth of knowledge that goes far beyond the requirements of his profession. He is a master craftsman driven by a continuously questioning mind that often leads him into the proverbial heart of darkness: that shadowy area where the intellect and the soul are at odds...

Die John Cranko-Schule Stuttgart

hat Platzprobleme. Kein Wunder, seit 1971 ist sie in einem ehemaligen Verlagsgebäude zu Hause, und seither hat sich an den Räumlichkeiten nichts grundsätzlich verändert. Eingezwängt zwischen Landhaus- und Urbanstraße, kann die Schule samt Internat kaum expandieren, obwohl sie inzwischen aus allen Nähten platzt: ein «trauriger Zustand», der so gar nicht zu dem...

Gabriel Sala

Fünfundsechzig und kein bisschen müde: Gabriel Sala hat am 21. Juli zwar das Pensionsalter erreicht und ist damit als aktiver Mitgestalter aus dem Ballett des Hessischen Staatstheaters ausgeschieden, aber auf die faule Haut will er sich deswegen auf keinen Fall legen. An der Neuauflage des Schülerprojekts move@school möchte sich der Wahl-Wiesbadener aus Buenos...