In der Tanzhölle

«Giselle» in St. Gallen

Tanz - Logo

Ortega Fernandez tanzt als Giselle unangreifbar heiter mit der Anmut des Naturkinds. Diese Zutraulichkeit hat ihren Preis: Sie verliebt sich in ihren Unterdrücker. Der Herzog bändelt in St. Gallen incognito zwischen gefüllten Wäschekörben mit dem Mädchen an. So erzählt Philipp Eglis «Giselle» von modernen Arbeitssklaven und skrupellosen, sciencefictionartig gekleideten Machthabern.
Seine Giselle gehört zu einer Gruppe von Wäscherinnen, die in einem fens­terlosen Keller schmutzige Wäsche sortieren und waschen, die unaufhörlich durch eine Luke auf sie herunterfällt.

Die Belegschaft ist eine gebeugte graue Masse, die ab und zu aufbegehrt. Nur Giselle hat sich einen Rest Individualität bewahrt und versucht, mit ihren eigenwilligen Hüftschwüngen und Hüpfern aus dem Sys­tem auszubrechen.
Die Ursache für das Unglück seiner Heldin ist für Egli der Klassenunterschied. Als Giselle von der wahren Identität des Herzogs erfährt, wählt sie den Tod als Weg in die Freiheit. Das ungelebte Leben entlädt sich spukhaft im zweiten Teil am Meeresufer. Als Wilis machen Giselle und ihre Gefährten Jagd auf die Herrschenden und tanzen sie auf der Uferpromenade zu Tode. Wie eine Welle von Leibern werfen sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2006
Rubrik: on stage, Seite 41
von Martina Wohlthat

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jenseits

Keine Zeit war Kapital und Industrie gegenüber kritischer als der deutsche Expressionismus. Mit Karl Marx in der Tasche formierte sich eine antikapitalistische Ökobewegung, die 1968 mehr ihr Revival als ihre Fortsetzung erfuhr. Die künstlerische Kritik fand zwischen den Weltkriegen statt: als Hexentanz und Dämonenmode hinter grotesken Masken. Mit Mary Wigman, Oda...

Salsa an der Nordseeküste

Hamburg: Ein kalter und regnerischer Mittwochabend, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das Macumba, eine beliebte Hamburger Salsa­theca liegt in einer kleinen Seitenstraße direkt gegenüber der Staatsoper, der Heimat des Hamburg Ballett von John Neumeier.
Der Club: Die kubanische und die puerto-ricanische Nationalflagge und das Havanna-Club-Emblem zieren zusammen mit...

Shiva Britannica

India was the most magnificent jewel in the crown of the British Empire for two centuries. The period of the Raj spawned a rich cultural exchange that initially seemed to flow strongest from West to East. The exchange continues today but with the flow emphatically in the opposite direction. English vocabulary is so thoroughly littered with words from the Indian...