niederlande ausgezehrt

Rettungsschirm gesucht?! Der Tanz in Deutschland braucht eigentlich schon seit Jahrzehnten Krisenberater: Mal wird die Sparte eingespart, mal langsam ausgeblutet – zu klagen gibt‘s viel, zu feiern wenig. Zumal Traditionsreflexe immer noch gut funktionieren: Der Schulterschluss zwischen Ballett und zeitgenössischen Spielarten, Festen und Freien gelingt nur bedingt, spätestens beim Sprint an die Geldtöpfe werden Kollegen zu Konkurrenten. Muss das sein? Gibt es Alternativen, Hoffnungssignale, gar Zukunftsmodelle? Wie steht es überhaupt um das Verhältnis von Tanz und Politik? Dieser Frage geht tanz in den nächsten Monaten stichprobenartig nach.

Tanz - Logo

ausgezehrt______________

Die Niederlande galten lange als Tanzparadies, ihre Choreografen als internationale Trendsetter. Eine rigorose Sparpolitik dezimiert die Szene und hinterlässt viel verbrannte Erde. 

Es war eine krachende These, die den Meinungsbeitrag von Melle Daamen, Direktor der Amsterdamse Schouwburg, in einer großen niederländischen Tageszeitung einleitete: «Ein Spitzenballett kann man auch aus Sankt Petersburg einfliegen lassen», lautete die Schlagzeile.

Darunter wurde die Frage verhandelt, ob «in den Niederlanden unbedingt eine eigenständige Balletttradition verankert sein muss». Nach den extremen Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre, denen sich die niederländischen Bühnenkünste ausgesetzt sahen, gilt selbst diese Frage plötzlich als legitim. Zur Auflösung des Nationalballetts wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zwar nicht kommen, doch steht für die Niederlande der Status als Tanzland inzwischen durchaus auf dem Spiel.

«Ein Spitzenballett kann man auch aus Sankt Petersburg einfliegen lassen» − eine riskante Aussage aus dem Munde eines der bedeutendsten Repräsentanten der niederländischen Bühnen, der zudem noch im Raad voor Cultuur oder Kulturrat sitzt, dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2014
Rubrik: ideen, Seite 60
von Sander Hiskemuller

Weitere Beiträge
Impressum

______ impressum

tanz__Zeitschrift für Ballett, Tanz
und Performance

__Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
__Redaktion
Hartmut Regitz, Arnd Wesemann
Mitarbeit: Dorion Weickmann,
Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel +49-(0)30-254495-20, Fax -24
redaktion@tanz-zeitschrift.de
www.tanz-zeitschrift.de

__Gestaltung &...

Großbritannien: «The Falling Song»

Dem Komponisten Erik Satie wird folgender Ausspruch zugeschrieben: «Bevor ich ein Werk schreibe, gehe ich in Gesellschaft meiner selbst ein paarmal um es herum.» Die von den Zwillingsschwestern Jessica und Megan Kennedy gegründete irische Kompanie Junk Ensemble hat sich offenbar von einer ähnlichen Maxime leiten lassen: «The Falling Song» untersucht das...

Görlitz: «Romeo und Julia»

So tief, so weit, so nah am Publikum. Der Bühnenraum von Till Kuhnert birgt viele Assoziationen zu Shakespeares Tragödie von der tragischen Liebe zwischen Romeo und Julia. Auch in Görlitz wird dafür die Ohrwurm-Musik von Sergei Prokofjew bemüht, und doch sieht alles ganz anders aus als gewohnt. Eine neoklassische Version war bei der Tanzcompany von Dan Pelleg und...