Parkett International: Frankreich I
In Paris war es eine gute Spielzeit für Liebhaber von Tschaikowskys «Schwanensee», für die Fans, die sich nicht sattsehen können an diesem choreografischen und musikalischen Monument und darauf brennen, die psychoanalytisch verankerte Nurejew-Fassung von 1984 immer wieder auf ihre Schlüssigkeit hin abzuklopfen. Der damalige Ballettchef schuf ein höllisches Quartett aus zwei Zwillingspaaren: Odette und Odile, der weiße und der schwarze Schwan, gehören ebenso zusammen wie Siegfrieds Erzieher Wolfgang und der Zauberer Rotbart – die vom gleichen Tänzer getanzt werden.
Was den Darstellern natürlich enorm viel abverlangt, müssen sie doch von einer Sekunde zur nächsten in eine andere Haut schlüpfen. Das Labyrinth aus personellen Dopplungen und Spiegelungen treibt Siegfried -schier in den Irrsinn – ein Szenario, das tatsächlich immer noch makellos funktioniert. Genauso makellos haben sich auf dem tanztechnischen Hindernismarathon der Aufführung auch die Künste der Étoile-Tänzer Germain Louvet und Eleonora Abbagnato sowie des Solisten François Alu entfaltet.
Als Offenbarung entpuppte sich der deutsche Choreograf Marco Goecke (46), der zum ersten Mal überhaupt von der Opéra eingeladen ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Parkett International, Seite 140
von Rosita Boisseau
Der Kreis oder «Circle», den wir kurz vor jeder Aufführung bilden, ist ein Ritual, das wir nie überspringen. Wir kommen dicht zusammen, stehend, halten uns an den Händen, um die Schultern oder Hüften. Verbinden uns über die Berührung. Wir schauen uns in die Augen, erspüren, wie es den anderen geht und beschwören in uns ein gemeinsames, energetisches Gefühl herauf....
Ich hatte bisher in meiner noch jungen Karriere weder einen Talisman noch besondere Rituale. Aber ein Vorstellungstag ist für mich, wie für viele Künstler, etwas Besonderes. Ich schaue in den Stunden vor einem Auftritt gerne einen guten Film an oder höre Musik, die mich inspiriert, die Emotionen freilegt und meine darstellerische Kraft stärkt.- Vermutlich ist das...
Er ist 70 Jahre alt. Ein Hoffnungsträger? Er trägt jedenfalls seine Bühnenstücke in die Theater und zum Publikum hin. Wie Pakete. Die packt er aus. Dann gibt er etwas ab. Was und wie man ihm das abnimmt, ist die Frage, immer wieder. Ob man mehr als zuschaut, nämlich hinschaut. Vielleicht gar aufschaut.
Hoffnung ist ein zu kleiner oder zu einfacher Begriff für das,...
