Tauziehen in Dresden
Bautzner Straße 107, 01099 Dresden – eine Adresse mit höchster tanzhistorischer Priorität. Hier wohnte, wirkte, lebte Mary Wigman, Ikone des Ausdruckstanzes, bedeutsam auch fürs nationale Kulturerbe. Der letzte Mieter des Hauses war die Semperoper, die es als Probebühne und für kleinere Showings nutzte. Seit ihrem Auszug steht es leer, der Eigentümer will es verkaufen. Und das ist der Freistaat Sachsen, der die sanierungsbedürftige Liegenschaft schnellstmöglich losschlagen will.
Einen Interessenten gibt es auch, nur hat der kein Geld für einen Immobilienkauf: Der Verein Villa Wigman für Tanz, vor gut einem Jahr gegründet, möchte das Gebäude der Nutzung zuführen, die es zwischen 1920 und 1942 innegehabt hat, als Wigman mit ihrer Schule hier residierte. Die freie Tanzszene in Dresden braucht dringend Büro, Proben- und Produktionsräume, ein Residenzprogramm könnte auch nicht schaden. Gastkünstler fänden die Mansardenunterkunft in Elbnähe sicher attraktiv.
Bleibt die Frage, wer die Villa kaufen soll. Die Stadt könnte zugreifen, verschleppt aber die Entscheidung, weil sie fürchtet, für die Folgekosten – Sanierung und Unterhalt – aufkommen zu müssen. Der Verein hat nicht nur ein ...
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Tanz August/September 2017
Rubrik: Praxis, Seite 74
von Dorion Weickmann
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