radikal sinnvoll
Der Vorwurf ist ja so evident: «Ich versteh das Gehampel nicht. Was erzählt es denn?» Tanz ist okay als cooles Lockerlassen im Schauspiel. Oder als befreiende Leibesübung im Musiktheater. Selbst der in die Oper ausgewanderte Choreograf Joachim Schlömer erzählt, er habe irgendwann den «Anspruch an die Tiefenwirkung der Geschichte, die erzählt wird, im Tanz vermisst» (Seite 88). Im Musiktheater scheint eben alles noch fest zusammenzustehen: Interpretation von Inhalt, Bravour als barocke Überwältigung und tiefe Treue zum Tonsetzer.
Als der Tanz in Konkurrenz zur Oper sich als eigene Sparte behauptete, hieß es auch gleich: Kann er, so allein und als bloßes Fleisch, etwas Sinnstiftendes bieten? Immerhin hat er die Wahl: eine möglichst radikale Abkehr vom Sinn, 1920 exemplarisch von den Ballets suédois als surrealistischer Kunstspaß ins Feld geführt (Seite 8). Oder eine radikale Neusetzung von Sinn, wie sie sich im Konzepttanz manifestiert, als «ausgekochte Essenz». So sieht das Boris Charmatz ab Seite 48 – der Mann, dessen Tanzaktionen unter dem Sowjetischen Ehrenmal in Berlin es bis in die Fernsehnachrichten schafften.
Bei der neuen Leiterin des Hauptstadtfestivals «Tanz im August», ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2014
Rubrik: editorial, Seite 1
von
Sie alle haben ihn entdeckt. Zuerst war es Carmen Mehnert für Hellerau. Gleich darauf Honne Dohrmann für Oldenburg. Bruno Heynderickx bringt ihn jetzt nach Darmstadt und Wiesbaden, damit besagter Honne Dohrmann – der ab sofort den Tanz im benachbarten Mainz organisiert – ihm nicht noch einmal zuvorkommen kann. Auch Virve Sutinen in Berlin will beim Entdecken nicht...
Geradezu meta-irdische Ansichten bietet diese Vogelperspektive. Die Flugroute führt aus dem Ananas-Gebirge über die Erdbeer-Felsen direkt in den Lauch-Dschungel. Falls es ein Paradies gibt, muss es wohl so aussehen wie auf Chris Harings Großbildleinwand – hingepixelt von einer hoch auflösenden Kamera. Es versteckt sich im Dickicht der Minzblätter oder auf dem...
Als wir nach dem Gespräch wieder in sein Auto steigen, das unter einem Baumarktholzdach parkt, heben die Nachbarn kurz die Köpfe. Dieter Buroch grüßt fröhlich hinüber. Ein Rentnerpaar, das da auf seiner Terrasse dem gepflegten Nichtstun frönt und dessen Hortensien blühen, als gäbe es kein Morgen. Buroch hat es nicht so mit Blümchen, aber einen schönen Rasen hinter...
