Ein Ballett namens Drosselmeier

Richard Wherlock: «Nussknacker» in Basel

Tanz - Logo

In Hagen hat Richard Wherlock 1993 schon einmal einen «Nussknacker» herausgebracht. Und nun für Basel eine neue Version geschaffen. Er müsste eigentlich «Drosselmeier» heißen. Denn der Pate Drosselmeier steht als Drahtzieher im Mittelpunkt und betritt zu Beginn die leere Bühne, gefolgt von einer Schar Ratten in Punk-Kos­tümen. Ihr Anführer, King Rat, verschafft sich mit athletischer Körpersprache Res­pekt. Drosselmeier dagegen setzt die Illusionsmaschinerie des Theaters in Gang.
Auf sein Geheiß richten die Ratten das bürgerliche Wohnzimmer mit einem Weihnachtsbaum ein.

Es gibt Geschenke und die üblichen Streitereien. Der Choreograf zeichnet menschliche Figuren mit ihren Sehnsüchten. Drosselmeier, fabelhaft verkörpert von Michaël Lamour, ist ein diabolischer, ein getriebener Mensch auf der Suche nach einer unbeschwerten Kindheit und dem Zauber der Theaterbühne. Der Nussknacker, den er der jungen Clara schenkt, steht für die helle Seite seiner Persönlichkeit.
Wie andere Choreografen vor ihm strebt Wherlock danach, der Balletthandlung durch den Rückgriff auf die Fantasiewelt E.T.A. Hoffmanns mehr Zusammenhalt zu geben. Sein «Nuss­knacker» schildert keinen Traum in der Konfektschachtel, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 49
von Martina Wohlthat

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Brief aus Taipei

«I don't go out to fuse – I'm a multicultural product.» Wir sitzen vor dem Studio des Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan und schauen auf den Bambus, der hier ganz von alleine wächst. Es sind diese riesigen Stauden, die Lin Hwai-min zu seinem Pärt-Stück «Bamboo Dream» angeregt haben. Seine Inspirationsquellen sind nah und weit weg zugleich, in jedem Sinn: «Wir...

Stipendiaten fürs danceWEb

Ganz ohne kann das danceWEB nicht sein: Martin Nachbar, Antje Pfundtner und Angela Schubot von der  Gruppe Two Fish gehörten zu den danceWEB-Stipendiaten, die, von ballet-tanz unterstützt, von einem «einzigartigen Projekt» profitiert haben, das jungen professionellen Tänzern «in einer Atmosphäre kreativer Energie die Möglichkeit des produktiven Austauschs bietet». ...

Runde Sache

Vor fünf Jahren, als Merce Cunningham sein mit virtuellen Tänzern bestücktes Werk «Biped» herausbrachte, träumte der letzte große Kongress zum Thema Tanz und Neue Medien von der großen Verschmelzung der virtuellen Realität mit der körperlichen Enti­tät. Nach dem Traum kam nichts mehr. Ein unlösbarer Widerspruch war enstanden, ein Paradox: Je selbstverständlicher...