Sylvie Guillem
Sylvie Guillem, Sie haben sich beim Publikum mit einem herzlichen, fast erstaunten Lächeln bedankt. Überrascht Sie der Zuspruch, den ein zeitgenössischer Abend findet? Die Reaktion des Publikums berührt mich immer. Wenn ich auf die Bühne gehe, möchte ich dem Publikum etwas geben: eine Vision, einen einzigartigen Moment. Die Reaktion darauf zu erleben, ist für mich sehr bewegend. Mein Lachen hat nichts mit Überraschung, nur mit Freude zu tun.
Was sagen Sie Zuschauern, die kommen, um eine legendäre Ballerina zu erleben – und enttäuscht sind von einem zeitgenössischen Stück? Schade, sage ich zu ihnen. Versuchen Sie mal, Ihr Denken etwas zu öffnen. Die Menschen erwarten oft etwas – und wenn das nicht eintrifft, sind sie enttäuscht von der Person auf der Bühne, statt sich zu fragen, ob es nicht an ihrer Wahrnehmung liegt. Das eigentlich Enttäuschende ist nicht die Person, die ihnen etwas bietet, sondern ihr Mangel an Offenheit. Ich hatte oft Diskussionen über die «Carmen» von Mats Ek. Die Zuschauer beschwerten sich, weil Ek angeblich nicht die wahre Geschichte von Carmen erzählt. Lesen Sie doch noch mal das Buch, habe ich vorgeschlagen, und Sie werden sehen, wie nah Eks Figur an der ...
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hat felsenfeste Positionen zementiert: dass Frauen gleich viel verdienen, gleich hart arbeiten, gleiche Chancen besitzen und bei der Erziehung der Kinder nur noch gleichen Anteil nehmen müssen wie die Männer. Wie auch immer die Gleichheit in Wirklichkeit aussieht – diese Gleichheit kommt als so verbindlich daher, dass es völlig egal ist, ob Gleichheit wirklich...
In der Sportkleidung feiert die Uniform Triumphe. So steht’s bei Elfriede Jelinek.Heute feiert die Uniform nur noch sich selbst. Als Trendobjekt. Stromlinienförmig eingepasst in den Zeitgeist. Gleichartig antiuniform. Dazu mussten die acht Tänzerinnen bei Constanza Macras über ihre Bein-Tatoos nur züchtig die Socken mit dem ewig gleichen Haken-Zeichen ziehen....
Stille. Zwölf Tänzer strömen ins Bild, verteilen sich in einem großflächigen, mit blauem Klebeband markierten Quadrat. Dann: Die Tonspur stürmt los, die Interpreten auch. Es beginnt ein endloses Bewegen, man eilt, dreht sich, immer verankert; gestreckte Arme sind Hebel, Körper sind Massen; mit einem Griff werden auf dem Bauch gestrandete Tänzer auf den Rücken...
