Die Hoffnungsträger
heißt die einzig legitime Nachfolgerin von Valeska Gert. Vielleicht kennt sie Gert nicht, denn Freitas kommt von den Kapverdischen Inseln. Aber sie kennt den Karneval ihrer Heimat, und der ist absolut «gertissimo». Freitas inspiriert sich an seinen grotesken Grimassen, Gesten und Gliedern. Und vergrößert sie ins Unheimliche. In ihrem Solo «Guintche» verwandelt sie die Tradition dieser Masken und Trancen, indem sie, beide Beine fest auf den Boden gestemmt, unter unaufhörlichem Beckenkreisen ihren Oberkörper mutieren lässt. Ihr Gesicht ist verzerrt zum gellend stummen Schrei.
Man sieht in den Fratzen aus Erschrecken und Wahnsinn – ein ganzes Hexenritual im Stehtanz.
Freitas zelebriert ihre verrenkten Mienen und Begierden mit unglaublicher Kraft und Präzision. In ihrem Gruppenstück «De marfim e carne – as estátuas também sofrem» erschafft sie einen abstrus grausamen Todestanz aus Statuen, die Menschen werden und fühlen wollen. Die Kreaturen sind ebenso erschreckend wie anrührend. Manche erinnern an Figuren auf den Kapitellen romanischer Kirchen in Südeuropa, die den Teufel abschrecken und die Gläubigen einschüchtern sollen. Die frenetischen Tänze der Geknechteten, das Rätsel ihrer ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 161
von Renate Klett
Diese Künstlerin hat den Mut, die Getriebenheit und den Scharfblick, die in Zeiten wie diesen gebraucht werden. Elisabeth Bakambamba Tambwe, geboren 1971 in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, ist seit 2007 Wienerin. Bis vor fünfzig Jahren hieß Kinshasa nach dem belgischen König Leopold II. noch Léopoldville. Der Herrscher hatte sich seinen «Freistaat Kongo»...
Sidi Larbi Cherkaoui, gibt es eine Grenze, vor der Ihre Vorstellungskraft zeitbedingt kapitulieren würde, etwa wenn Sie wie jetzt gerade die Barockoper «Les Indes galantes» in München inszenieren?
Das ist alles immer eine Frage des Einfühlungsvermögens. Wenn Sie mit einem Charakter konfrontiert sind, der einen Sklaven hält, ist es schwierig, sich in ihn...
wechselte 2008 vom Ballett Dortmund zur italienischen Kompanie Aterballetto, um die kreative Arbeit mit Mauro Bigonzetti kennenzulernen und in dessen Choreografien zu tanzen. Seine eigentliche Mentorin indes war die derzeitige Künstlerische Leiterin der Kompanie, Cristina Bozzolini. Sie eröffnete dem Tänzer die Möglichkeit, sich im Rahmen der kreativen Workshops...
