Adieu

Gérard Lemaître

Tanz - Logo

... Wenn ich meine Augen schließe und diesen Namen ausspreche, erscheint vor mir ein Mensch, so bunt wie ein Regenbogen. Ich kannte ihn seit 1973, aber wirklich kennengelernt habe ich ihn erst durch die Gründung des NDT III. Und ich liege sicherlich nicht allzu falsch, wenn ich behaupte, dass dieses Ereignis eine Wiedergeburt für Gérard bedeutete. Das war 1991, Gérard war gerade 55 geworden und befand sich in einem idealen Alter, um physisch-tänzerische Kräfte und theatralische Begabung zu einer unnachahmlichen Symbiose zu verbinden.

Zusammen mit Alida Chase, Sabine Kupferberg und Niklas Ek sowie den Choreografen Hans van Manen, William Forsythe und Mats Ek kreierten wir ein Team, das einen Neuanfang für ältere Tänzer ermöglichte. Und obwohl ich das Experiment scherzhaft ein Unternehmen «für Tänzer zwischen 40 und Tod» nannte, hatte es etwas Jugendliches in sich. Das war die Essenz, die Gérard bis ins Mark seiner Knochen fühlte und die seine Begeisterung weckte.

Gérard war ein großes Kind, und das meine ich keineswegs abschätzig. Im Gegenteil war gerade das seine große Gabe. Er konnte dieses «weise Kind» in unzähligen Metamorphosen auf die Bühne bringen, und das wiederum hat ihm ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

tanz_02_2017

Tanz Februar 2017
Rubrik: Persönlich, Seite 29
von Jiří Kylián

Weitere Beiträge
Saarbrücken

«Wenn unser Wohlstand auf der Welt Leid produziert, gehört dieses Leid dann uns?» Von provokantem Zynismus ist diese Frage, die antwortlos mehrfach ans Publikum gerichtet wird und in der sich das Thema von Martin Stiefermanns «Heimatfront» verdichtet. Schon die erste Szene vermittelt die Botschaft, dass wir die kriegerischen Folgen unseres Lebensstils zwischen...

Colmar

Schule, Beruf, Altersheim: Überall fügen wir uns brav in die Masse und gehorchen dem Herdentrieb. Vom lebenslangen Konformismus und den kleinen Fluchten daraus handelt dieses heitere, sehr menschliche Tanzstück, dessen Titel man mit «Cupido ist’s egal» übersetzen würde.

Ivan Cavallari, noch Direktor des Ballet du Rhin, hat einen Choreografen aus der Off-Szene...

Biographie

Wer ein Buch mit dem Titel «Rudolf Nurejew. Die Biographie» versieht, erweckt den Anschein, Werden und Wirken des Startänzers mehr oder weniger umfassend geklärt zu haben. Sonst stünde da schließlich eine bescheidenere Formulierung, etwa «Eine Biografie». In Nurejews Fall liegen bereits etliche als «Die Biographie» annoncierte Lebenspanoramen vor, nun packt Jan...