der goldene schuh: serie: tanz-mode
Statistisch gesehen, kauft jeder Bundesbürger vier Paar Schuhe pro Jahr – die Damen eher mehr, die Herren eher weniger. Ballett-Tänzerinnen indes verbrauchen vier Spitzenschuh-Sets häufig schon binnen zwei Wochen. Und wer meint, den Kunstinstrumenten sei mit der Alltagsdevise «aussuchen, reinschlüpfen, fertig» beizukommen, ist falsch gewickelt.
So ein Spitzenschuh wächst sich schnell zum Nadel-und-Faden-Tagewerk aus, gibt es doch jenseits der obligatorischen Fessel-Bänder vielfach verbreitete Nachbesserungspraktiken: Häkelschlingen rund um die Spitze sorgen für standsichere Balancen, verstärkte Fersennähte verhindern den gefürchteten Pantoffel-Effekt, und harte Sohlen werden mit allerlei Klopf- und Biegeprozeduren fügsam gemacht.
Das alles hat der goldene Spitzenschuh noch vor sich, dem zur Uraufführung von Christopher Wheeldons «Cinderella» (siehe S. 24) im Foyer des Amsterdamer Muziektheater ein Gala-Ambiente bereitet wird: Auf Samtkissen gebettet, thront das famose Stück mitten in einem elegant gezimmerten Verkaufsstand, den zwei zuvorkommende Junior Sales Manager betreuen. Für 100 € kann jeder Premierenbesucher den Glitzerfetisch erwerben und damit nicht nur eine ...
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Tanz Mai 2013
Rubrik: praxis, Seite 72
von Dorion Weickmann
Seit nunmehr zwei Jahrzehnten ist Frederick Ashton, der erste Chefchoreograf des 1931 gegründeten Royal Ballet, mit seinen Werken dortselbst betrüblich unterrepräsentiert. Kein Wunder, dass die Königlichen mit der Umsetzung seiner Bewegungssprache stilistisch hier und da ihre Mühe haben. So war etwa Ravels «La Valse» – Auftakt des Ashton-Potpourris, das im Februar...
Ist «Sacre» wirklich das Skandalballett des letzten Jahrhunderts? Béla Bartóks «Der wunderbare Mandarin» von 1924 war da doch deutlich sicherer im Milieu als Strawinsky. Böse Buben rauben mit Hilfe einer Nutte geile Freier aus – bis ein gewisser Mandarin auftaucht, der das Mädchen auch dann noch begehrt, als die Banditen ihn erstochen haben. Seine ewige...
Sasha Waltz, in Sankt Petersburg, Paris, Brüssel und Berlin gibt es «Sacre du printemps» künftig sogar zweimal.
Ja, gezeigt wird zum einen die Urfassung von Vaslav Nijinsky, in der Rekonstruktion von Millicent Hodson und Kenneth Archer für das Joffrey Ballet von 1987. Millicent und Kenneth haben sie mittlerweile schon bei vielen Kompanien einstudiert, auch am...
