gala
Liberté, égalité, fraternité! Das Revolutionsmotto von 1789 steht an den Fassaden öffentlicher Gebäude der République française, in deren Theaterhäusern sich Gala-Abende größter Beliebtheit erfreuen. Der Choreograf Jérôme Bel spannt diese politischen Losungen nun mit den Ausnahme-Festivitäten zu einem Experiment zusammen. «Gala» heißt es – aber es stehen keine Stars auf der Bühne. Und wenn doch, dann ohne jede Attitüde.
Man fühlt sich durchaus wie an einem jener Abende, an denen durchschnittliche Menschen Ihresgleichen begegnen, jenseits aller Standesunterschiede, etwa auf einem Schulfest, bei einer Tombola.
Jérôme Bel veranstaltet dabei eine Art gesellschaftlichen Lackmustest. Lackmus-Teststreifen gibt es bekanntlich in Blau, Weiß und Rot, den Farben der République. In «Gala» steht auf dem Prüfstand, wie sich drei Standardvarianten des weltweiten Tanzvokabulars – Pirouette, Grand jeté und Moonwalk – einfärben, wenn sie auf unterschiedlich proportionierte Körper, unterschiedliche Persönlichkeiten treffen. Umgekehrt werden auch die Verhaltensdifferenzen der Persönlichkeiten erhellt: Die einen versuchen sich an wirklicher Herausforderung, die anderen üben sich in Selbstironie. Und ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn
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