«UUUUU(topia)», NRW-Forum Düsseldorf; Foto: Ursula Kaufmann

Ben J. Riepe

Halb Aufführung, halb Ausstellung: Seine Tanzprojekte bestechen durch Originalität und Experimentierfreude. Zu Besuch bei dem Choreografen und seiner Düsseldorfer Kompanie war Bettina Trouwborst

Tanz - Logo

Es hilft nichts. Kein Rappeln, Rütteln, Reißen. Kein «Sesam, öffne dich!». Das Garagen-Rolltor klemmt. Passanten gucken schon komisch. Der Zutritt zur Homebase der Ben J. Riepe Kompanie bleibt mir verwehrt. Da muss schon der Meister selbst, per Handy aktiviert, herbeieilen. Riepe grinst in seinen blond-roten Vollbart: «Es geht allen so, aber wir können das Tor nicht offenstehen lassen. Es kommt zu viel weg.» Sein Studio liegt weitläufig in der Düsseldorfer Bahnhofsgegend. Dafür in bester kollegialer Nachbarschaft, nah am tanzhaus nrw.

Riepes Reich

Im Hinterhof erstreckt sich Riepes Reich: ein langgezogener Flachbau, in dem einst eine Druckerei untergebracht war. In dem weiß getünchten Studio begegnen einem alte Bekannte: Der Kunst-Hirsch aus der Produktion «Der letzte Schrei» blickt uns zur Begrüßung arglos an. Der Raum ist behangen und befüllt mit Requisiten, Kostümen und Accessoires aus dem Kosmos des 38-jährigen Choreografen, der Menschen wie Kunstobjekte arrangiert. «Herren Pumps» steht auf einer Kiste. Andere tragen Aufschriften wie «Reifröcke», «Blood & Geisha» oder «Karo-Anzüge». Schon hat man Ben J. Riepes tollkühne Kopfgeburten wieder vor Augen: den blauen und den roten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2017
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Bettina Trouwborst

Weitere Beiträge
Tel Aviv: Ohad Naharin «Venezuela»

Für viele mag die Europa-Premiere von «Venezuela» am Festspielhaus Hellerau berauschend gewesen sein. Denn der Choreograf Ohad Naharin spielt in dieser neuen Arbeit – der letzten, die er als Leiter der Batsheva Dance Company verantwortet (tanz 10/17) – mit der hochenergetischen Kraft zahlreicher Bewegungskaskaden. Die Körper seiner 17 Tänzer und Tänzerinnen...

Brügge: Jan Fabre «Belgian Rules/Belgium Rules»

Der Dicke wuchtet Bierträger herum und bedient sich reichlich selbst: hoch die Flasche, schluck, schwitz, rülps. So der Prolog zu vier vergnüglichen, atemberaubend schön bebilderten, bis zur Selbstaufgabe getanzten Stunden, wie ihn Shakespeare nicht rüpeliger hätte erdenken können. Belgien sei das Land des Comics, sagt einer der schlanken, schönen, zumeist ganz...

Newcomer, Personalien, Short cuts November 2017

Newcomer: Romain Thibaud-Rose

Beim Hochschul-Tanzabend in Frankfurt am Main fiel 2010 ein Student mit einem eigenen Solo auf, weil er sprach, und das mit guter Stimme. Romain Thibaud-Rose erzählte von der Landschaft seiner Kindheit, durch die er sich nun mit langen Beinen und ruhig rotierenden Armen bewegte. Das schabte am Tanz, suchte ihn noch. Vielleicht kein...