Be unique! But not alone

Neue Residenzprogramme für Choreografen: Mittelalterliche Könige zogen von Residenz zu Residenz. Heute sind es Maler, Schriftsteller, Komponisten – und Choreografen. Sie reisen nicht in einer Sänfte samt Hofstaat, dafür europaweit, sodass es sich lohnt, mit ein paar heutigen Reisetechniken vertraut zu sein, mit Prepaid-Karte, Wireless-LAN und eMail. Falls die Residenz über solche Verbindungen verfügt.

Tanz - Logo

Wozu Residenzen? Man sitzt in einem Probenraum fernab der Zivilisation, weit weg von zu Hause und schläft nur ein paar Schritte vom leeren Raum der Inspiration entfernt. Reines Fernweh ist ein schlechtes Motiv. Um inspiriert zu werden, sind Großstädte und Weltreisen sicher angenehmer als ein mehrwöchiger Aufenthalt in der Pampa. Aber dort, wo Residenzen stattfinden, ist – mit wenigen Ausnahmen – eine gewisse Ferne zur Zivilisation durchaus gewollt.


Die Choreografin Maren Strack mit besonders langer Residenzerfahrung findet es denn auch «gut, um für einen Moment das Klosterhafte zu genießen, wegen der Konzentration, aber: Es gibt einfach drei feste Regeln:
• Wenn Deine Bewerbung zur Residenz angenommen wurde: Unbedingt den Ort vorher besichtigen. Gibt es das, was Du erwartest? Einen Tanzboden, eine bestimmte technische Ausstattung? Wirst Du Dich überhaupt wohlfühlen?
• Weißt Du, was Du im fraglichen Zeitraum tun wirst? Ohne konkrete Idee und ohne einen Zeitplan, in dem Du Dein Projekt umsetzt, ist eine Residenz sinnlos. Eine völlig neue Idee oder eine Inspiration kommt Dir auf dem platten Land nie.
• Die Zeit vergeht langsamer, als man denkt. Vier Wochen sind ewig. Prüfe, ob auch zwei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2007
Rubrik: Residenzen, Seite 68
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was schreibt die Geste?

Auch im Tanz geht es immer häufiger darum, Erwartungen zu enttäuschen und Laborsituationen zu schaffen, die das Publikum herausfordern und verunsichern. Wenn diese Tendenz in William Forsythes Arbeit verstärkt wahrzunehmen ist, seit der institutionelle Rahmen des Ballett Frankfurt weggekürzt wurde, erscheint es, als wäre das neuerliche Experimentieren wie ein...

Oliver Meyer

Olivier Meyer ist Chef im Backsteinbau, versteckt hinter Wohnblocks am Stadtrand von Suresnes. Brigitte Lefèvre ist Herrin über das Ballet de l'Opéra de Paris im Palais Garnier. Die beiden sind ein Ehepaar und schmieden an der Ehe aus Ballett und Hip­Hop. In Suresnes brennen keine Autos. Hier herrscht gehobene Normalität. Nebenan liegen die Galopprennbahn von...

Hellmut Gottschild

Wenn Hellmut Gottschild «vom Berühren und Berührtwerden» spricht, dann denkt er an das, was zwischen 1958 und 1962 in Berlin von seiner wichtigsten Lehrerin auf ihn übergegangen ist. Ein Schatz, der ihn in die Neue Welt begleitete, als er auswanderte. Seine Gedanken nehmen in einer Lecture Performance zum 120. Geburtstag Mary Wigmans in der Palucca Schule Dresden...