Der Entdecker

Bruno Beltrão «H2 – 2005» in Berlin

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Hip und  Hop im Jahr des Herrn. Vierzehn Jungs aus ganz Brasilien, und keiner will mit ihnen Fußball spielen. Warum bloß nicht? Vierzehn Mann, davon drei auf der Ersatzbank. Ihr Trainer heißt Bruno Beltrão, ein Choreograf. Sie sind antriebsstark, verspielt, dribbeln durch jede Grätsche. Verschaffen sich Platz, entkommen jeder Manndeckung, sind sprungstark wie Antilopen und spielen sogar rückwärts.

Das Stück hat kaum begonnen, da schießen drei Jungs nach zwei Minuten zu brummender Fliegenschwarm-Musik das erste Tor: auf einem Arm segelnd, den Kopf in den Boden geschraubt, das Spielbein hoch oben in Schussposition. Mit uneinholbarer Geschwindigkeit balancieren die drei ihren Spin vom Kopf auf die Schulter herunter. Schon tobt das Publikum. Wer nach 120 Sekunden das lose Volk zur Applausmauer formt, kann danach machen, was er will. Den Battle hat er schon gewonnen.
Den dummen Satz «Theater muss wie Fußball sein» überholen sie mit links. Ästhetisch ist ihr Spiel, schlimmer noch: souverän, und keiner fällt sich nach dem Tor begeistert in die Arme. Stattdessen küssen sie sich paarweise lang und ausdauernd auf den Mund und wühlen mit der Zunge im Rachen ihres Freundes, dass wir im Stadion ...

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Tanz Juni 2005
Rubrik: On Stage, Seite 40
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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