Revue
Karl Valentin zum Bühnenmeister des Deutschen Theaters: «Sie sagen immer, die Kulissen san der Hintergrund! Jetzt stehnga mir dahinter – also is des jetzt der Vordergrund! Merken S’Ihnen das, man kann nicht vorsichtig gnug sein mit solchene Behauptungen!»
In ihren ersten Videoarbeiten entdeckte Mariola Groener, was später zentrales Arbeitsprinzip wurde. Als sie Aufnahmen aus Alltagssituationen in Einzelbilder zerlegte, kam Überraschendes zum Vorschein: harmloses Lachen enthielt auf einmal bedrohliche Züge.
In der Dehnung von Zeit, so fand die bildende Künstlerin heraus, entsteht ein anderer Raum, ein Raum, in dem viel Platz ist für Projektionen und Mehrdeutigkeiten.
Günther Wilhelm hatte schon immer eine Neigung zur Isolierung von Bewegung. Arm- und Beinarbeit zu trennen, einzelne Bewegungen in ihre Bestandteile aufzuspalten, wurde so etwas wie eine zweite Natur. Als der Tänzer und Choreograf Butoh studierte, lernte er ein anderes Verständnis von Zeit kennen. Zeit, die stark ausgedehnt wird und dadurch den Raum vergrößert.
Zerdehnen und Zerlegen
Zwei Systeme, die sich gegenseitig bedingen und Ausgangspunkt einer gemeinsamen Suche wurden. Als Mariola Groener und Günther Wilhelm vor ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der französische Theoretiker und Architekt Bernard Tschumi stellt in seinem Essay-Band «Architecture and Disjunction» (Massachusetts, 1994) zwei architektonische Metaphern gegenüber: Pyramide und Labyrinth. Für ihn sind beides mentale Raumkonzepte. Die Pyramide steht bei ihm für den Verstand, die strukturelle Kontrolle, die geometrische Organisation und objektive...
Martin Schläpfer ist vielleicht kein typischer Schweizer, aber er besitzt ein paar Tugenden, die in der Schweiz etwas gelten und die ich je länger je lieber mag: Freundlichkeit, Arbeitsethos, um nicht zu sagen: Fleiß, Skepsis, Präzision, Beharrlichkeit und eine gewisse Schrägheit, wie man sie nur im Voralpenland findet. Was Schläpfer macht, und er macht seit Jahren...
Es lässt sich allerlei Hoffnung schöpfen, wenn Orient und Okzident so zusammenwachsen wie bei Ziya Azizi. Schon der Titel seines Solos trägt die Botschaft in sich: «Dervish in Progress». Der in Wien lebende Tänzer aus der Türkei dreht sich mit der spirituellen Intensität echter Derwische. Doch er öffnet das Ritual vollständig. In der Rotation entstehen Gesten und...
