Großbritannien: «The Falling Song»
Dem Komponisten Erik Satie wird folgender Ausspruch zugeschrieben: «Bevor ich ein Werk schreibe, gehe ich in Gesellschaft meiner selbst ein paarmal um es herum.
» Die von den Zwillingsschwestern Jessica und Megan Kennedy gegründete irische Kompanie Junk Ensemble hat sich offenbar von einer ähnlichen Maxime leiten lassen: «The Falling Song» untersucht das Ideenmaterial der Choreografie – allerdings nicht mit forensischer Akribie, sondern inspiriert von einer natürlichen, nachgerade neckischen Neugier und der bedingungslosen Bereitschaft, Phänomene aus allen erdenklichen Perspektiven zu betrachten.
In «The Falling Song» wird der Vorgang des Fallens anhand verschiedenster Referenzen beleuchtet, die von Isaac Newtons Apfel bis zu den schmelzenden Flügeln des Ikarus reichen und das Stolpern über eine Bordsteinkante ebenso einschließen wie das idiomatische «falling in love» oder den Absturz vom Gipfel der Macht hinein in die Ohnmacht. Welche Bezüglichkeit auch immer hergestellt wird, es sind zunächst stets unkontrollierbare äußere Faktoren, die den Fall verursachen. Was aber, wenn dem Vorgang des Fallens ein Sprung vorangeht? Was, wenn wir uns doch freiwillig für das Fallen entscheiden?
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Tanz März 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Michael Seaver
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