newcomer: johanna chemnitz
Ein nackter Raum im Ballhaus Ost in Berlin. Vier Scheinwerfer bedrängen die Tänzerin wie in einem Käfig. Ihre im Stakkato blinzelnden Augenlider feuern zurück. Die Füße stehen ruhig auf den Dachbodendielen. Von den Lidern wandern rhythmische Schläge durch ihren starken Körper. Zu schnellen Lounge-Beats von Peter Rehberg beißt ihr Blick. Sie ist das eingesperrte Wild. Vorsichtig auf allen dreien hebt sie eine vor Kraft strotzende Tatze in den Raum. Sie ist, wie ihr Solo heißt, ein «Soft Target», das weiche
Ziel der Augen.
Mit der Isländerin Margrét Sara Gudjónsdóttir enwickelte sie diese hypnotisierende Projektionsfläche der Selbstbeherrschung. Keine Bewegung verhuscht, weil sie «nettes Tanzen» hasst.
Jeder ihrer muskulösen Schritte wirkt wie bei einem Tier: kräftig, überlegt, zielgerichtet, vorsichtig. Schon bei ihrer Ausbildung an der Tanzakademie in Arnheim lernte sie, dass mit bloßer Dekonstruktion der Körper eine Katastrophe wird. Er zerzaust, wie zuletzt bei den «Berliner Tanztagen» in ihrem Duett «Dishevelled» mit Sonja Pregrad. Diesen ausgestellten, von der Bühne gefangenen, choreografisch zerstückelten Körper näht sie wieder zusammen. Entschieden reckt sie den Kopf in die ...
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Ecce homo. Siehe, eine erbärmliche Kreatur. Sie hat Auschwitz geschaffen. Sie führt Kriege, missbraucht ihre eigenen Kinder. Sie wird alt, tatterig und krumm, ersäuft in ihrem eigenen Exkrement. Die Würde des Menschen – wie kostbar sie sein sollte, spürt man erst, wenn einer kommt und sie aufs Brutalste attackiert. Romeo Castellucci ist so ein zorniger Theatergott....
Choreografen, die sich verändern möchten, haben es schwer. Wenn ein Künstler was Gutes schafft, wollen Publikum und Presse davon immer mehr. Pina Bausch konnte davon ein Liedchen singen, als ihre Stücke immer leichter, beschwingter und tänzerischer wurden. Sasha Waltz konnte dies in der Schweiz nun ebenso. Hier hatte man sie von ihrer «Travelogue»-Serie her in...
...ist nach einer längeren Tournee mit ihrer Kompanie Kidd Pivot zurück am Main. An ihrer neuen Wirkungsstätte, dem Künstlerhaus Mousonturm, erarbeitet sie das erste Stück, das hier uraufgeführt wird. Damit fügt sich diese Premiere in eine größere, die ganze Stadt Frankfurt umfassende Entwicklung ein. Denn das von «Tanzplan Deutschland» geförderte Projekt...
