Taktstock statt Tutu
April 2018, beim Stuttgarter Ballett steht das Ballett mit den Hühnern und dem Pony auf dem Spielplan. Im ausverkauften Haus lacht das Publikum bei Frederick Ashtons «La Fille mal gardée», die Musik von Ferdinand Hérold sprudelt. Am Ende, wo sonst ältere Herren im Frack auf die Bühne kommen, den Applaus entgegennehmen und das Orchester aufstehen lassen, verbeugt sich eine energische junge Frau im schwarzen Anzug, sie ist -schmaler als manche Ballerina.
Die Tänzer klatschen an diesem Tag besonders heftig für die musikalische Leitung: Maria Seletskaja ist eigentlich eine von ihnen und hat gerade ihre Feuertaufe bestanden, sie hat ihre erste Aufführung dirigiert. Tatsächlich gehört die Tänzerin aus Estland am Abend ihres Debüts mit Taktstock offiziell noch als Solistin zum Ballet Vlaanderen in Antwerpen; erst Monate später wird sie ihre Bühnenkarriere beenden, um sich ganz ihrem «zweiten Leben» zu widmen, mit dem sie wahrhaft Neuland betritt: Eine Tänzerin als Dirigentin, das gab es noch nie.
Nichts zu verlieren
Wie tritt man als Balletttänzerin, als blutige Anfängerin vor sechzig hochbezahlte, wesentlich ältere Staatstheater-Routiniers? Wie bekommt man die dazu, dass sie einen ...
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Tanz März 2019
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 64
von Angela Reinhardt
CD des Monats: Tangos Cubanos
Am ehesten entspricht noch Track Nummer 7 gewohnten Tango-Vorstellungen. Wer den Titel der CD nicht kennt, könnte die «Tangos Cubanos» leicht für «Albumblätter» halten, für «Lieder ohne Worte», für die sich im schmalen Booklet denn auch treffsichere Texte finden. Billy Cowie hat sie geschrieben, ein schottischer Komponist, der nicht...
Mit ihren 36 Jahren sieht Marianela Núñez immer noch aus wie ein Teenager. Ihre großen blauen Augen geben unverhohlen ihre Emotionen preis, blitzen lebhaft auf, wenn sie vom Tanzen spricht, verschleiern sich nachdenklich, wenn sie sich eine Zukunft ohne Ballett vorstellt. Doch sofort gewinnt ihr Lächeln wieder die Oberhand, und Núñez fährt fort, ihren Empfindungen...
Ich packe zusätzlich noch eine Kniebandage in den Stoffbeutel für das Tanztraining. Die Körperübungen werden immer anstrengender, die Beziehungen zu den Mittänzerinnen immer einfacher. Wir kennen uns schon seit einem halben Jahr. Wir wissen, wer von uns gern über den Boden rollt, bunte Socken trägt oder lieber barfuß tanzt. Eine unserer Zukunftsfragen bei dem...
