Shantell Martin
Shantell Martin zeichnet auf allem: auf Flugzeugen, auf Stoff, auf Schuhen, auf Häuserwänden, auf Körpern. Sie zeichnet mit einem flachen, schwarzen Marker auf weißem Grund, fast immer großflächig. Eine bemerkenswerte Leinwand für ihre Kunst war im vergangenen Winter das Lincoln Center in New York, Sitz des New York City Ballet (NYCB). Seit 2013 lädt die Art Series des NYCB zeitgenössische Künstler zu einer großformatigen site-spezifischen Installation ein. Diese Serie, konzipiert um neue Zuschauer zu rekrutieren, ist laut Kompanie ein kommerzieller Erfolg.
Die britische Künstlerin, die ihre Karriere als VJ (visual jockey) in Mega-Clubs in Tokio begann, arbeitet sich im kreativen Prozess von innen nach außen. Auch hier: Intensive Gespräche mit Tänzern über ihren Beruf, über Verletzungen geben ihr einen intimen Einblick. Sie besucht Proben, zeichnet live dabei. Die Energie der tanzenden Körper verwandelt sie in fließende dynamische Linien, sie winden sich, unterbrechen sich, wie zufällig formen sie Gesichter, Körper, Text («JOY», «STRENGTH»). Sie strömen schließlich auf den weiß ausgelegten Boden des Foyers des David H. Koch Theater. Das kühne, monochrome Ergebnis heißt «Finding Your ...
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Tanz August/September 2019
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Marina Dafova
So dunkel und düster war ein Ballett noch nie. Ganz in Schwarz gekleidet hat Jürgen Rose das Vorspiel, das in Wirklichkeit eine Rückblende ist. Während dichte Nebelschwaden über den Friedhof von Heiligenkreuz ziehen, wird in aller Eile und ohne jede Würde Mary Vetsera zu Grabe getragen. Ein einziges Gebet des Priesters, ein flüchtiges Beileid im Vorübergehen – und...
Deborah Hay hat eine einnehmende Stimme. Sanft im Ton, klar in der Sprache. Sie kann bestimmend werden, wenn es um ihre Überzeugungen geht; ungeduldig, wenn sie jemand mit 08/15-Fragen langweilt. Rumschwafeln, Allgemeinplätze austauschen – Zeitverschwendung. Sie gehört zu den Künstlern, die schnellen Antworten misstrauen- und lieber schweigen, noch einmal...
Es gibt noch Stücke, die Grenzen verschieben und die Welt der Kunst ein Stück weit verändern. «Bilderschlachten» von Stephanie Thiersch bietet solch ein Erlebnis, ganz überraschend und daher umso intensiver. Selbst in einem Jahrhundert revolutionärer Tanzgeschichte ist eben doch noch nicht alles probiert, realisiert und abgehakt worden. Die «Bilderschlachten» toben...
