apotheose des opfers
1973, mit dem Tod von Mary Wigman, gelangten die umfänglichen, von ihr selbst akribisch (aus-)sortierten Aufzeichnungen ans Berliner Archiv der Akademie der Künste (West). Das geschah in einer Zeit, als die Aufarbeitung des Nationalsozialismus hoch oben auf der Fahne stand und eine These schnell die Oberhand gewann: Alle Künstler, die sich bis 1945 nicht eindeutig im Widerstand oder im Exil befanden, genossen mindestens die Sympathie der Nazis – somit auch die Tänzerin, Pädagogin und Choreografin Mary Wigman.
Derlei Behauptungen benötigten oft nur mäßig kräftige Argumente, hier die der «Grotesktänzerin» Valeska Gert: «Eine Tanzdarbietung», sagte sie, «muss nach saurem Schweiß riechen, ethisch sein, wirrgeistig und langweilig. Genialität ist weniger erwünscht als Solidität. Weil der Durchschnittsdeutsche kein Selbstvertrauen hat, hält er nur die Kunst für groß, die er nicht versteht und die ihn langweilt. Mary Wigman erfüllt als einzige Tänzerin alle diese Bedürfnisse des deutschen gebildeten Mittelbürgers und ist darum zur Nationaltänzerin geworden.»
Die Mary-Wigman-Gesellschaft, am 23. November 1986 zu Wigmans 100. Geburtstag gegründet und nach genau 25 Jahren wieder aufgelöst, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2013
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Arnd Wesemann
kinofilm_________
tanja liedtke
Ihr plötzlicher Unfalltod im Mai 2007, überfahren von einem Müllwagen, löste eine Schockwelle aus. Tanja Liedtke, soeben zur neuen Leiterin der Sydney Dance Company ernannt, galt mit ihren 29 Jahren als der Rising Star – bei gerade mal drei abendfüllenden Choreografien: «Twelfth Floor» (2004) sowie «Construct» und «Imploded» (2007).
...Weltmarktführer können sich schlappe Performances offenbar problemlos leisten. Nike zumindest trägt die Nase sehr hoch, seit sich sein Marken-Imperium bis weiter hinter den Ural erstreckt. Schuhe, Trainings-Outfits und Accessoires mit dem Haken-Logo verkaufen sich wie verrückt – wozu noch so was Altbackenes wie Servicefreundlichkeit kultivieren? Wer in Berlin...
Ein Mann liest seelenruhig ein Buch, während vor ihm eine Frau fast ertrinkt. Doch ist das überhaupt eine Frau? Die langen, knallroten Haare weisen sie eher als Fantasiewesen aus, vielleicht eine Nixe, deren Fuchteln und Wirbeln möglicherweise nicht dem Schrecken vor dem Wasser entspringt, sondern dem Aufbegehren gegen das Landen. Wie soll sie jetzt atmen? Gehen?...
