Carlos Saura
Carlos Saura hat einen neuen Film gedreht. Der Drehort ist die Bühne, dort, wo seine jahrelange Beschäftigung mit Flamenco – «Carmen» (1983), «Sevillanas» (1992) und «Flamenco» (1992) – wohl auch enden musste. Bis dahin war Flamenco für Saura eine Kunst der Fiktion.
In «Carmen» ließ er den einen Choreografen mimenden Antonio Gades an der erotischen Wirklichkeit verzweifeln: Wen liebte er, die reale Carmen oder den Mythos Carmen, das von Prosper Merimée und Georges Bizet geschaffene Urbild der andalusischen Zigeunerin? Fiktion und Realität waren noch nicht voneinander zu scheiden. Die Authentizität, die angebliche emotionale «Tiefe» des Flamenco, so die Botschaft des Films, speiste sich nie aus dichterischen Quellen. Später zeigte er die Musiker und Tänzer als Privatpersonen, die erst in ihrer Rolle zu künstlerischer Größe fanden. Dass der Mythos die Wirklichkeit überhöht, diesen Gedanken spitzt Saura in seinem neuesten Film, «Iberia», nun konsequent zu. Er verzichtet auf jede Handlung und bringt mit Unterstützung der gegenwärtig bedeutenden Flamencokünstler die Komposition «Iberia« von Isaac Albéniz (1860-1909) auf die Bühne, ein vergangenes Spanien, das nur durch die Kunst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit sechs Jahren ist das Internationale Ballettfestival «Mariinsky» das wichtigste Ereignis des Jahres im Ballettleben Russlands. Zehn Tage dauert der Reigen der Aufführungen und großen Namen. Die Premieren der Saison sind auf dieses Festival abgestimmt, es tanzen die wichtigsten Tänzer, man lädt Stars aus dem Westen hinzu – und: das Diesjährige war das letzte...
Bevor Marcia Breuer diese Frage stellen kann, muss man erst einmal Platz schaffen für eins der «bewegendsten» Bücher der letzten Zeit. Ganze dreizehn Meter lang ist das Leporello. Schlägt man allein die 53 Außenseiten des Buchs auf, stößt man auf Aussagen von Reid Anderson, Bridget Breiner, Robert Conn, Eric Gauthier, Marco Goecke, Yseult Lendvai, Christian Spuck –...
In Berlin eröffnet im September das größte frei finanzierte Theater Deutschlands: 2500 m2 mit zwei Theatersälen, drei Studios, Cafés, Verwaltungsräumen, Terrassen und Gärten. Es heißt Radialsystem. So, wie es schon seit gut hundert Jahren in verblichenen Lettern am ehemaligen Friedrichshainer Pumpwerk steht. Gegründet haben das neue Theater Jochen Sandig (Manager...
