jón vallejo
Ein Spanier in Dresden: Der Tänzer Jón Vallejo gehört von Beginn an zur Kompanie von Aaron S. Watkin, die jetzt nach einigen verwirrenden Namensspielen «Semperoper Ballett Dresden» heißt. Rasch machte er dort auf sich aufmerksam. In der Gruppe, in kleineren Soloaufgaben, in den Choreografien von William Forsythe fiel er erstmals auf. Inzwischen hat er es auch zu großen Rollen und für ihn kreierten Stücken gebracht.
Dabei drängt er nicht in den Vordergrund, er schätzt die Kraft der Gruppe, und er weiß, dass diese umso stärker ist, je weniger die individuellen Leistungen in ihr verloren gehen.
Beim Nachdenken darüber, wie diese unverzichtbare Individualität mit ihren unterschiedlichen Facetten zu beschreiben wäre, fallen zunächst drei Begegnungen mit Jón Vallejo in Dresdner Aufführungen ein. Da ist er einmal in der Rolle des Opfers in Jirí Bubeníceks Kreation «Der Nachmittag eines Fauns» zu sehen. Wie dieser Tänzer in seiner zerbrechlichen Unschuld zerrieben wird zwischen der handgreiflichen Begierde einer geistlichen Aufsichtsperson und den gewundenen Bewegungen des Fauns à la Nijinsky – als wertfreies Prinzip nicht zu steuernder Lust verstanden –, das ist von großer ...
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Tanz Januar 2014
Rubrik: menschen, Seite 24
von Boris Gruhl
Es sind wohl 40 Leute, die in den Berliner Uferstudios auf fünf Tänzer treffen. Man erklärt uns vorab schriftlich, dass wir die folgende Choreografie beeinflussen würden, falls sich unsereins an die Regeln hielte: Wir werden zählen. Sagt jemand «Eins», soll ein nächster Unbestimmter «Zwei» sagen. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass gleichzeitig zwei...
Um Tschaikowskys «Schwanensee» mit nur 14 Tänzern zu visualisieren, ohne dabei auf «klassische» Qualitäten zu verzichten, muss man sich schon was einfallen lassen. Aber Bridget Breiner hat in der kurzen Zeit ihres Gelsenkirchner Engagements nicht nur Prokofjews «Cinderella» so raffiniert ent«rußt», dass sie dafür sogar den Deutschen Theaterpreis «Der Faust»...
Genau besehen, gilt im Ballett nur eine Richtung: nach vorn, im Idealfall mit der Illusion einer Kunstpause ganz oben. Der vergötterte Nurejew erweckte im Grand Jeté den Eindruck, in der Luft zu verharren. Stillstand als Gipfel der Perfektion! Schon das Übereinanderschlagen der Fußknöchel zur Batterie wirkt dagegen nie, als würde die Schwerkraft wirklich auf...
