Nicht von Racine
Caligula einmal anders. Nicht der römische Kaiser interessiert den Étoile der Pariser Opéra. Nicht der Mann, «den Wahnsinn, Verkommenheit und Größenwahn in die Tiefe ziehen». Nicolas Le Riche «untersucht das tiefste Innere einer wesentlich komplexeren und reicheren Persönlichkeit». Mehr noch: «Er enthüllt einen begeisterten Anhänger des Theaters und von Aufführungen, einen lebendig Gehäuteten, den die Krankheit so weit treibt, dass er selbst in seiner Zerstörungswut schöpferisch wirkt.
»
«À lire avant le spectacle», heißt es dazu im Programmbuch, das bei jeder passenden Gelegenheit Roland Barthes zitiert. Liest man die Erklärung nach der Aufführung, fühlt man sich ins falsche Stück versetzt. Denn da ist nichts oder doch nur sehr wenig, was einen an das Schicksal Caligulas erinnert. Mathieu Ganio entsteigt zwar wie ein Gott dem Bühnenhimmel des Palais Garnier, von dem Daniel Jeanneteau gerade mal ein paar Stufen sichtbar werden lässt. Doch nichts an ihm wirkt numinos. Alles Menschliche ist ihm fremd. Ganio, mit seinen 21 Jahren zweifellos einer der herausragenden Begabungen des Ensembles, bietet dem Choreografen zwar eine perfekte Projektionsfläche. Aber wenn es nichts zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Amerian Ballet Theater's season of standout revivals, foremost among them is Kurt Jooss’s “The Green Table – A Dance of Death in Eight Scenes“ (1932), expertly coached by Anna Markard, Jooss’s daughter. Despite the paucity of live performances in New York, the opening/closing sequence – twelve men grandstanding around a table – is iconic to many. The characters,...
Er war eine der auffallendsten Persönlichkeiten auf allen Tanzkongressen, nicht allein seiner buschigen Augenbrauen wegen. Gedeon Dienes hatte was zu sagen, und er ergriff polyglott bei jeder sich bietenden Gelegenheit gern das Wort. Schließlich hatte er nicht nur die französische und ungarische Literatur studiert, sondern auch Jurisprudenz und Choreologie – und...
Ruth Lilly ist eine Pharmazie-Erbin aus Amerika, die es wissen wollte: Sind die «Creative Industries» wirklich nur etwas, das man bezuschussen muss? Und beauftragte Randy Cohen mit einer Aufsehen erregenden Studie: Während die US-Wirtschaft 2005 nur um 3,83 Prozent wuchs, stiegen die Umsätze der Künste um 5,5 Prozent. 0,8 Prozent des Personals wurde im...
