Götter & Clowns
Um zu verstehen, worauf wir auf den ersten Blick perplex oder belustigt reagieren, könnten wir in den DeLorean DMC-12 aus «Zurück in die Zukunft» steigen und den Fahrer bitten, uns im Jahr 2120 abzusetzen, falls es dann noch ein bewohnbares Fleckchen Erde gibt. Im Fokus unserer Neugier stünde nicht, was wir aus der Welt gemacht haben, das überlassen wir dem nächsten Konvoi bekümmerter Kolonisten. Wir hätten kleine Filmchen aus unserer Jugend dabei, um sie unseren Ururenkeln zu zeigen.
Auf einem davon hampelt ein junger Mann herum, schüttelt sich, springt hin und her, grimassiert übertrieben und hält sich dabei einen eiskugelähnlichen Gegenstand vor den Mund, der – erklären wir – anno dazumal gebraucht wurde, um die Stimme zu verstärken, die nur so das Klangmagma hinter ihm übertönen konnte, diese Mischung aus schwerem Wummern, vielleicht von einem Maschinenhammer, dem Jaulen von Katzen, die sich den Schwanz in der Tür eingeklemmt haben, und einem ohrenbetäubenden Donnergrollen, vor dem nur ein Faradaykäfig Schutz böte. Nach dem Ende der Filmchen, auf denen der immerfort zappelnde junge Mann wie in einem Daumenkino das Vergehen der Zeit illustriert, wenden wir uns in dem Hochgefühl, ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Götter & Clowns, Seite 33
von Jean Rouaud
Sie hat keine Scheu vor politischer (Tanz-)Geschichte, vor der brodelnden Gegenwart schon gar nicht. Eva-Maria Schaller, ausgebildet an der Ballettschule der Wiener Staatsoper und bei Codarts in Rotterdam, ist zeitgenössische Tänzerin – etwa bei Emio Greco, Itzik Galili, Anouk van Dijk. Außerdem choreografiert sie, unterrichtet Countertechnique und nähert sich mit...
In Paris war es eine gute Spielzeit für Liebhaber von Tschaikowskys «Schwanensee», für die Fans, die sich nicht sattsehen können an diesem choreografischen und musikalischen Monument und darauf brennen, die psychoanalytisch verankerte Nurejew-Fassung von 1984 immer wieder auf ihre Schlüssigkeit hin abzuklopfen. Der damalige Ballettchef schuf ein höllisches Quartett...
Michiel Vandevelde hat etwas Unheimliches. Geniehaftes. Er schreibt, kuratiert, gründet Formate, choreografiert. Beim Produktionshaus fABULEUS im belgischen Leeuwen, das Kinder und Jugendliche mit professionellen Theatermachern zusammenbringt, erlebte er sein coming of age. Bei P.A.R.T.S. hat er studiert, in Magazinen und auf Festivals dekliniert er Diskurse. Bis...
