Himmlische Stimmchen

Robyn Orlin: «When I Take Off My Skin And Touch The Sky ...» in Paris

Tanz - Logo

Lächerlich gemacht habe Orlin die schwarzen Sänger ihrer Spaß-Performance, behaupteten einige nach der Premiere im Théâ­tre de la Ville. Einmal mehr spielt die Halb-Berlinerin aus Johannesburg mit dem Blick auf das Andersartige. Sie stiftet Verwirrung, in der sich mancher selbst entlarvt. Da ist der Zoom auf Nasenfront und schmat­­zende Lippen. Die Kamera schafft einen anderen Blick auf vermeintlich Wohlbekanntes. Auch dann, wenn sie in den Mund fährt und das im Hals gurgelnde Wasser filmt.

Es ist Orlins Kunst, kulturelle Zeichen so durchzuschütteln, dass jeder gezwungen ist, in deren Spiegel sein eigenes Inneres wahrzunehmen.
Zum veränderten Blick auf die Kulturen und Kontinente (auch der Körper sei dazu gezählt) kommt in «When …» das Irrlichtern der Kunstgattungen. Unglaublich, zu welchen Eskapaden fünf Opern­sänger hier bereit sind: Singend das eigene Auge zu filmen oder, mit Plüsch­zebra, Fellkostüm, Lampe und Cassettenrekorder überladen, wie GIs in den Saal zu spazieren, Zuschauer um ein Handy zu bitten und burlesk singend auf die Aufnahme von Glucks «Orpheus und Eurydike» zu antworten. Selbstverständlich waren die Sänger am Anfang schwer irritiert, gibt Orlin zu. Am Anfang ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2005
Rubrik: On Stage, Seite 54
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Richard Cragun hat die Nase voll

«Die Arbeitsbedingungen am Teatro Municipal in Rio de Janeiro waren zuletzt so unerträglich, dass ich nach zwei Jahren meine Tätigkeit eingestellt habe.» Der einstige Starsolist des Stuttgarter Balletts und nachmalige Ballettdirektor der Deutschen Oper Berlin hat nun die Konsequenzen aus einer Situation gezogen, die eine kreative Entwicklung des Ballettensembles...

Köln: Hommage à Robert Cohan

Die Tanzstudenten der Musikhochschule Köln haben einen prominenten «Patenonkel»: den Choreografen Robert Cohan, langjähriger Leiter des London Contemporary Dance Theatre. Und der ist spendabel: Seit der Neugründung des Studiengangs Tanz 1997, als das Institut für Bühnentanz im Fachbereich 3 der Staatlichen Hochschule für Musik Köln aufging, hat er den rund 60...

Kapitale Tänzerin

Mahlzeit! Noch vor der Vorstellung schlägt sich der Bayer den Bauch voll. Kariertes Hemd, kariertes Tischtuch: Harald Stieger und Imme Kachel haben Bühnenbild und Kostüm aufeinander abgestimmt. Das Bier, der Braten: sie dürfen nicht fehlen. Wer immer der Prolet ist, der sich vor dem Publikum so offensichtlich produziert: Er hat gut sein. Seine Welt scheint in...