Ikone

Pina Bausch hinterließ vor fünf Jahren das Tanztheater Wuppertal. Nun werden erste Risse im Heiligenbild sichtbar

Tanz - Logo

Sauber angeordnet stehen die Kaffeehausstühle und -tische auf der Bühne, als stammten sie aus Jim Jarmuschs Episodenkino «Coffee and Cigarettes». Oder aus dem kleinen Film «Coffee with Pina» von Lee Yanor. Es sind runde Grübeltische, Geständnistische, Weißt-du-noch-damals-Tische. Heute wären sie gedeckt mit Tablets und Tofutellern und kaum noch dazu geeignet, anregende Gespräche zu führen. Es sind Tische wie aus Pina Bauschs legendärem «Café Müller» von 1978. An denen sitzt nun der brasilianische Tänzer Geraldo Si und erzählt, wie er 1990 nach Wuppertal kam.

Vier Jahre später hat ihm Pina Bausch noch gesagt, wie unersetzlich er sei. Aber da war er bereits zu erschöpft und kollabierte auf einer Generalprobe. Natürlich hatte nicht Pina daran Schuld. Er spricht von der Stimmung, die damals herrschte, und wie nur «private Freunde» ihm halfen, sich zu erholen. Von den Kollegen hatte er nichts zu erwarten. Ein kollabierter Tänzer gehörte nicht mehr dazu. Der israelische Choreograf Uri Turkenich hat ihm diese Anekdote in der Berliner Inszenierung «I love my dancers» entlockt. Doch Geraldo Si hegt keinen Groll, nicht nach so vielen Jahren. Nur in der Ferne hört man noch das Echo des tiefen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: wuppertal: pina bausch, Seite 66
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Erinnern und Bedeutung

Ein Nebeneffekt der Aufbewahrung von irgendetwas in einem Raum, den wir Museum nennen, ist das Anwachsen seiner Bedeutung in den Augen des Besuchers, unabhängig davon, ob er sie erkennt oder nicht. Man hat es ausgestellt, dann wird es bedeutend sein. Man hat es gedruckt, dann wird es gut sein. Es kostet 10.000 Euro, dann muss es auch was wert sein. Wenn es der Mühe...

vladimir varnava

Vladimir Varnava gehört fraglos zu jenen vielversprechenden neuen Choreografen Russlands, die vor dem Hintergrund einer klassisch-folkloristischen Ballett-Ausbildung ein ausgeprägtes Interesse an der Entwicklung eines zeitgenössischen, selbstreflexiven Stils erkennen lassen. Gewicht, Atem, Aussagekern der Bewegung, innerer Rhythmus, Geist und Seele seiner Tänzer –...

martin schläpfer

Natürlich ist das nicht sonderlich originell. Weil der Choreograf und Chef des Balletts am Rhein gegenwärtig mit jedem Preis am Wegesrand ausgezeichnet wird. Macht aber nichts. Denn abgesehen von der allerhöchsten kreativen Qualität, Eleganz, Schönheit und Intelligenz, die seine beiden jüngsten Choreografien von Mahlers 7. Sinfonie und Adriana Hölszkys «Deep Field»...