Krisztina De Châtel: «Giubileo»
Bahne mir den Weg an den leuchtenden Brunnen auf der Spuiplein vorbei ins Lucent Dans Theater von Den Haag. Hier werden sagenhafte drei Jahrzehnte einer unerschrockenen Dame des Tanzes gefeiert. Fleischberge türmen sich im Theater vor älteren Tanzkennern auf. In einer Plexiglasröhre steht ein Tänzer. Zwischen Videoinstallationen wandeln Performer in elisabethanischer Königinnenrobe, Arien auf den Lippen. «Giubileo», das ist nicht nur Vermächtnis. Ihr Jubiläum ist auch das Testament der hier gefeierten Krisztina de Châtel.
Ihr Werk war immer ein Katalysator und eine unerhört anregende Quelle für Neuerungen. Sie nährt den Appetit, neue Einfälle zu wagen. Schon deshalb begleitet eine ihrer frühen Choreografien diese drei Premieren: Michele Poglianis «The Arena Love», Stephen Shropshires «Worth» und ein eigenes neues Stück, «Kalota».
Dieser Abend ist explosiv. Poglianis Werk sieht auf den ersten Blick aus wie MTV auf Speed und Steroiden. Er geht ins Hirn, dieser exzentrische Pastiche aus Vivaldi und Gesampletem und setzt tierische Energie frei. Hier führt rohe Sexualität Krieg gegen unsere zensurierende Natur, die sich so gern am geistigen Brunnen von Fantasie und Begehren labt – um ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Engel, gibt es die? Der rumänische Philosoph Andrei Plesu hat noch keinen gesehen. «Ich habe kein Organ für Erscheinungen», schreibt er in seinem Buch «Das Schweigen der Engel». Er bräuchte dieses Organ auch nicht, würde er dem Tanzquartier Wien Glauben schenken: Engel weilen unter bürgerlichem Namen völlig unerkannt und ungeflügelt unter uns. Nur zu Weihnachten...
Wenn wir Bewohner von Gotham die Wahl haben, wie wir die Vorweihnachtszeit verbringen, muss ich von Berufs wegen sagen: Geht in den «Nussknacker» des New York City Ballet. Sicher, Eislaufen unterm Weihnachtsbaum am Rockefeller Center ist auch okay. Aber wenn man wie ich in einem Vorort von New York City aufgewachsen ist, sage ich nur vier Worte: Radio City...
Mit Ohad Naharin, dem bekanntesten Choreografen Israels, verbindet sich untrennbar eine Trainingsmethode, die den sonderbaren Namen GaGa trägt. Glaubt man seinem Erfinder, war es schon ziemlich «GaGa», als Ohad im Alter von drei Jahren, angefeuert von seinen Eltern, von einem hohen Schrank sprang und dabei entdeckte, dass Angst, Schweiß und Vergnügen so ziemlich...
