Anthony Rizzi

Forsythe, Fabre, Bausch – dieser Tänzer kennt sie alle. Und macht kein Aufhebens darum. Dafür hat er mehr Humor als die gesamte Szene zusammen.

Tanz - Logo

Eine Kritikerin vermisste bei ihm einen «roten Faden». «Wieso roter Faden?», wunderte sich Anthony Rizzi, «es gibt nur diesen einen roten Faden: von der Geburt» – er rammt eine Hand vor sich in die Luft – «bis zum Tod.» Die andere Hand markiert den Schlusspunkt nicht weit davon entfernt. Die Hand zieht noch mal über die Strecke, formt einen Raum. In dieser kleinen Geste steckt der ganze Tony Rizzi. Wenn es ihn denn je in Gänze gibt.

Auf der Bühne spricht er und tanzt. Er spricht von sich und von der Welt. Er ist ein beneidenswert unterhaltsamer Erzähler.

Obwohl nicht alle seine Witze gut sind. Oder geschmackvoll. Trotzdem – oder deswegen – erzählt er sie. Seine Geschichten spickt er mit Dialogen, lässt Stimme Rollen spielen, voller Tonhöhen, Charaktere, Gefühle. Das tut er auch bei Interviews, zu denen er ohne zu zögern in seine Privaträume einlädt. Geschichten aus solchen Gesprächen entdecke ich Wochen später in seiner Performance wieder. Sein Frankfurter WG-Küchentisch ist für ihn auch eine Bühne, das Theater ein fast intimes Zusammentreffen mit Leuten, die vor ihm sitzen. Im Tanzhaus NRW, wo er im Rahmen des riesigen Pina-Bausch-Festivals gastierte, musste er die Atmosphäre im zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2009
Rubrik: Portrait, Seite 54
von Melanie Suchy

Vergriffen
Weitere Beiträge
Martin Schläpfer, Nick Hobbs: «Programm XXVIII»

Was schon die kleine Meerjungfrau nervte, kann bei Tänzern nur zur Behinderung werden: Vier liegen am Boden, die Beine zusammengepresst wie Fischschwänze. Da ist nichts mehr mit leichtfüßigen Sprüngen, nur noch krakendes Gewinde. Einen wollen die Füße nicht tragen, die Wirbelsäule richtet ihn nicht auf, sein Leib gerät aus den Fugen. Später wird eine Tänzerin mit...

Frederick Ashton: «La fille mal gardée»

Die Rekonstruktion älterer Stoffe und Aufführungen hat Konjunktur. In Karlsruhe ist Ballettchefin Birgit Keil Verfechterin dieser Tendenz. Wie jetzt mit Frederick Ashtons 1960 in London uraufgeführtem Klassiker «La fille mal gardée»: Er ist bunt, idyllisch und herrlich naiv.

Der ehemalige Solist des Royal Ballet London und Ashton-Freund, der 82-jährige Alexander...

Gregor Zöllig «Ein Sommernachtstraum»

Das Ballett steht bei Shakespeare Schlange. Tragödie oder Komödie, egal. Shakespeares Kunst ist immer klar-verunklarte Personenkonstellation. Freund und Verräter – ein Paar. Herrscher und Narr – dasselbe. Liebe und Tod – aus dem einen folgt das andere. Shakespeares Irrungen und Wirrungen verlieren im Ballett den Wortwitz, natürlich. Werden flach wie eine Folie. Im...