John Cranko: «Carmen»
Eben noch ist Sue Jin Kang einen leidvollen Bühnentod gestorben, schon nimmt die Erste Solistin des Stuttgarter Balletts, die sonst derart tief in ihre tragischen Rollen eintaucht, dass ihr der Weg zurück in die Realität schwerfällt, lachend den Schlussapplaus entgegen. In der zurückliegenden Stunde im Opernhaus hatten zwei Leichen ihren Weg gesäumt, sie die große Liebe gefunden und wieder verspielt.
Das sind die Zutaten für ein Ballettdrama à la Cranko. Seine «Carmen» von 1971 ist verblüffend anders als die Seelenstudien, die den Choreografen berühmt machten.
Was wir sehen, ist eine soziologische Versuchsanordnung: Zwei Außenseiter – die Zigeunerin Carmen und der Baske Don José – hadern mit ihrer Umwelt. Carmen ist «in meiner Interpretation eine Außenstehende, eine Zigeunerin innerhalb der spanischen Gesellschaft, und dadurch stellt sich das Ganze für mich als ein soziologisches Prob-lem dar, das ich mit der Situation einer Schwarzen inmitten einer weißen Gemeinschaft vergleichen möchte, mit der eines jüdischen Mädchens zur Zeit des Nazi-Regimes», sagte Cranko damals vor der Uraufführung.
Dass diese Figuren mit nur wenigen Schattierungen gezeichnet sind, liegt nicht nur an den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hilft eine DVD (in Englisch), um Modern Dance am eigenen Leib zu erfahren und zu entwickeln? Yvette van der Slik schickt ihren «Tools» wohl deshalb zunächst ein Awareness-Programm voraus, das den Körper mit dem «Bodyscan» begreift, um mehr Bewusstsein über seine Möglichkeiten zu erlangen. Es folgen Kapitel wie «Relaxation», «Posture», «Floorwork», «Down and Up»,...
«Santissima Huil d'olive vierge» heißt das Produkt, das auf dem Proszeniumsvorhang beworben wird. Wenn dieser Konsum-Concours zu seinem Ende kommt, geht es nicht um das vorgestellte Öl, es ist ganz offensichtlich Sand im Getriebe. Frantz und Swanilda haben einen TV-Tanzwettbewerb gewonnen. Der junge Mann will sie trotzdem nicht heiraten und setzt lieber das...
Nora ist an allem schuld. Aber nicht in dem Sinn, wie es ihr der eigene Ehemann in Henrik Ibsens gleichnamigem Drama vorwirft – dass sie nämlich seine Ehre und die Familie zerstöre. Ganz im Gegenteil: Weil sie die Ehre der Berliner Schaubühne in der gefeierten Inszenierung von Thomas Ostermeier erheblich mehrte. Auf die Premiere 2002 folgten unzählige Einladungen...
